Schlösser der Loire & Atlantikküste
Auf den Spuren der Könige in Frankreich
Kehl am Rhein – Mesnil St. Père (Lac d'Orient) – Muides-sur-Loire (Chambord) – Angers – Barbâtre (l'Île-de-Noirmoutier) – Saumur – Amboise –
Nevers – Vogtsburg am Kaiserstuhl
Aufenthalt: 30. April bis 15. Mai 2026
Campingpark Kehl (Kehl am Rhein - DE) (Bewertung folgt)
Camping 'Le Lac d'Orient' (Grand Est - FR) (Bewertung folgt)
Camping Sandaya Château de Marais (Loiretal - FR) (Bewertung folgt)
Camping du Lac de Maine Angers (Loiretal - FR) (Bewertung folgt)
Camping Sandaya Domaine Le Midi (Île de Noirmoutier Atlantikküste - FR) (Bewertung folgt)
Flower Camping L'Île d'Offard (Loiretal - FR) (Bewertung folgt)
Camping Municipal de L'Île d'Or (Loiretal - FR) (Bewertung folgt)
Onlycamp Camping de Nevers (Loiretal - FR) (Bewertung folgt)
Stellplatz 'Beim Winzer Rieflin' (Schwarzwald - DE) (Bewertung folgt)
Prolog
Unsere Reise durch Frankreich im letzten Jahr (hier geht's zum Bericht) hat uns so sehr begeistert, dass wir noch währenddessen die nächste Tour durch die Grande Nation planten. Dieses Mal standen die Schlösser der Loire im Fokus.
Schon vor 23 Jahren streiften wir das Loiretal (auch Tal der Könige genannt) auf dem Weg von Paris nach Poitiers. Damals waren wir mit meinen Eltern in diversen Freizeitparks unterwegs. Das ein oder andere Schloss nahmen wir auf der Fahrt mit, allerdings nur von außen. Und die Erinnerungen daran waren inzwischen leider auch schon ziemlich verblasst.
Wie so oft, wurde bei der Planung die Zeit unser größter Gegner. Alle Schlösser würden wir keinesfalls schaffen, faktisch nur einen Bruchteil davon, zumal wir auch noch ein paar Tage ans Meer wollten. Bei rund 400 Schlossanlagen, von denen rund 100 für Besucher zugänglich sind, bräuchte man aber auch ein bis zwei Monate.
Mit Hilfe der KI erstellten wir schließlich eine für uns passende Route, bei der all unsere Bedürfnisse berücksichtigt wurden: Hundefreundliche Campingplätze mit kurzen Wegen zu den Sehenswürdigkeiten, keine allzu großen Distanzen zwischen den einzelnen Zielen (mit Ausnahme der An- und Abreise) und einfach eine schöne Mischung aus Kultur, Natur und Genuss. So wie wir es eben mögen.
Gebucht wurden die Campingplätze wie üblich vorab, und das schon ein gutes halbes Jahr im Voraus. Wir überlassen nichts dem Zufall, vor allem nicht, wenn wir mit Hunden unterwegs sind. Abgesehen davon gab es auch den ein oder anderen Stellplatz, den ich 'unbedingt' haben wollte. Wenn ich mir mal was in den Kopf gesetzt habe …
Was wir auf unserer Reise schließlich alles gesehen und erlebt haben, lest ihr im folgenden Bericht.
Tag 1: Anreise nach Kehl am Rhein - Frankreich schon ganz nah
Dieses Mal wurde das Wohnmobil bereits eine Woche im Voraus gepackt. Bei unserem Saisonstart vor zwei Wochen hatten wir jede Menge vergessen. Bei zwei Tagen kein Problem. Bei zweieinhalb Wochen schon. Nur die frischen Lebensmittel und das Technik-Gedöns kamen taggleich ins Auto.
Am Abend zuvor noch gemütlich mit dem Camper-Stammtisch zusammengesessen und über die bevorstehende Reise philosophiert, starteten wir doch tatsächlich früher als geplant gegen 8.15 Uhr los Richtung Nordwesten.
Über München, Augsburg, Stuttgart und Pforzheim war uns nach vier Stunden Fahrt nach einer kleinen Pause, zumal wir für den Check-In auch viel zu früh dran waren.
Auf die Autobahnraststätte hatten wir keine Lust, also rausgefahren. Wir drehten eine kleine Runde durch den Schwarzwald, bis wir im kleinen Ort Malsch östlich von Rastatt mit einem schönen Parkplatz fündig wurden. Eine kleine Gassirunde, etwas Brotzeit, dann ging es auch schon wieder weiter.
Immer noch eine halbe Stunde zu früh, erreichten wir gegen 13.30 Uhr den DCC Campingpark Kehl. In Deutschland achtet man exakt auf die Ruhezeiten, so dass wir uns in der Schlange der Anreisenden einreihten und erst einmal auf einen gemütlichen Spaziergang an die Rheinpromenade gingen, die sich nur wenige Meter dahinter befindet.
Immer die 'Brücke der zwei Ufer' im Blick, liefen wir entlang des Rheins. Alles war so sattgrün und der blaue Himmel strahlte uns an. Ach herrlich. Den Mäusen tat das Beinchen vertreten gut und auch wir waren froh, endlich angekommen zu sein.
Punkt 14 Uhr eingecheckt, brachte uns ein junger Mann direkt zu unserem Stellplatz. Die sind hier teilweise in kleine Rondells eingeteilt und werden nach dem Gusto des Platzwartes verteilt. Somit standen wir mitten auf einer Wiese, quer zu den anderen Autos. An sich ganz nett, tatsächlich bevorzuge ich aber abgetrennte Parzellen, einfach, um etwas mehr Privatsphäre zu genießen. Denn schon wenig später kam es genau zu der Situation wie vermutet: Die Leute kürzten permanent über unseren 'Platz' ab, ganz egal, ob die Hunde knurrten oder wir uns gerade privat unterhielten. Weil man aber auch keine zwanzig Meter Umweg gehen kann.
Ansonsten fanden wir den Campingplatz aber sehr schön. Klein und gemütlich. Man war schnell am modernen und sauberen Waschhaus und genauso schnell an der Rezeption und beim Brötchen holen.
Während Anton und die Hunde es sich in der Sonne bequem machten, düste ich gleich wieder los. Es zog mich noch einmal entlang des Rheins sowie weiter zum Weißtannenturm, der jedoch aus Sicherheitsgründen geschlossen hatte. Schade, also kein Ausblick von oben. Vorbei am Wasserturm, entlang eines künstlich angelegten Sees und zum Kehler UFO war ich nach einer guten Stunde auch schon wieder zurück und ließ mir nun ebenfalls die Sonne auf die Nase scheinen.
Zum Abendessen holten wir uns am Platz eigenen Restaurant Salat und Schnitzel, denn auf Kochen hatten wir keine Lust. Das Essen war hervorragend und die Belegschaft des Lokals sehr freundlich und lustig. Absolut zu empfehlen.
Zur Verdauung ging es schließlich erneut am Rhein entlang. Dieses Mal liefen wir direkt zur 'Brücke der zwei Ufer' und ich freute mich sehr, hier zu sein. Auch sie gehört zu den Dingen, die ich einfach mal selbst gesehen haben wollte. Die Brücke verbindet Deutschland mit Frankreich. Somit waren wir nicht mehr weit entfernt von unserem eigentlichen Reiseziel.
Ein wenig die Flusskreuzfahrtschiffe beobachtet, die ihren Tag hier nun beendeten und sich auf dem Weg zu ihrem nächsten Ziel machten, ging es nun auch für uns über die ausladende Parkanlage wieder zurück. Was für ein schöner und vor allem warmer Frühlingsabend.
Zum Sonnenuntergang suchte ich mir ein schönes Plätzchen direkt am Ufer des Rheins, etwas versteckt unterhalb der Promenade. Den restlichen Abend verbrachten wir gemütlich im Wohnmobil. Nachdem die Sonne untergegangen war, wurde es dann doch etwas frisch.
Tag 2: En route pour la France - An den Lac d'Orient
So richtig glauben konnte ich es heute Morgen noch nicht, dass wir uns tatsächlich schon auf unserer Frankreich-Reise befanden. So lange hatte ich darauf hin gefiebert und musste mich erst einmal kneifen, dass es jetzt tatsächlich soweit war.
In einem Kämmerchen direkt neben der Rezeption holte ich unsere bereits gestern per Whats App vorbestellten Frühstücksbrötchen. Eine gute Sache, wenn man auch wirklich etwas abbekommen will. Freier Verkauf wird zwar ebenfalls angeboten, aber da ich nicht zu den Frühaufstehern gehöre, wollte ich auf Nummer Sicher gehen.
Mit den Hunden eine gemütliche Runde am Rhein und im Park gedreht, hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Gegen 10.30 Uhr starteten wir los nach Frankreich. Die rund vierstündige Fahrt führte uns zunächst quer durch Straßburg und anschließend vorbei an Nancy und durch zahlreiche kleinere Orte in den Naturpark Forêt d'Orient. Das letzte Stück war tatsächlich ziemlich einsam und verlassen, durch enge Straßen kleiner Dörfer, vorbei am Lac d'Auzon und durch Wälder hindurch. Doch kaum aus dem Waldstück heraus, sahen wir nur noch Autos über Autos. Auch in Frankreich war heute Feiertag und den nutzte ein Großteil von ihnen mit einem Ausflug an den Lac d'Orient.
Doch noch vor der Autoansammlung bogen wir ab in den Campingplatz Le Lac d'Orient. Der Check-In war schnell erledigt. Wie erwartet, ein sehr freundlicher Empfang. Mit Englisch gestaltete es sich etwas schwierig, trotzdem kam ich gut zurecht und wenig später parkten wir auf unserem Platz Nummer 89 (Komfort-Platz) ziemlich am Ende des Platzes ein. Hier gefiel es uns. Auch die Mäuse fanden ihn von Anfang an toll. Dank des schönen Wetters konnten wir Markise und Stühle vorbereiten und uns ein gemütliches Plätzchen schaffen.
Ein erster Kaffee, dann ging es auf einen ausgiebigen Rundgang über die Anlage. Allzu lange scheint es den Campingplatz noch nicht zu geben oder aber er wurde erst kürzlich erneuert. Alles wirkte so frisch und neu.
Neben den Stellplätzen für Camper findet man auch zahlreiche Mobilehomes verschiedener Kategorien. Ebenfalls vorhanden ist ein Kletterpark, Fußball- und Tennisplatz sowie ein kleiner Pool, der allerdings erst noch für die Saison vorbereitet wurde. Ein richtig schöner Platz mitten in der Natur. Ein Ort zum Wohlfühlen.
Trotz der vielen Menschen draußen am See brach ich kurze Zeit später auf einen kleinen Spaziergang auf. Der Naturpark Forêt d'Orient wurde 1970 gegründet und ist rund 70.000 Hektar groß. Herzstück des Parks sind gleich drei Seen, von denen der Lac d'Orient mit rund 24 km² der größte See hier und der drittgrößte künstliche See in ganz Frankreich ist.
Neben diversen Wassersportarten gibt es noch einige Wander- und Fahrradwege, die aber größtenteils durch den Wald führen. Demnach verzichtete ich auf eine Radtour und spazierte stattdessen entlang des Strandes in Richtung Mesnil-St. Père.
Am und im See gab es Gekreische, die kleinen Bars und Restaurants waren gut gefüllt und die Leute ließen es sich gutgehen. Und während der künstlich aufgeschüttete Sandstrand den Menschen vorbehalten ist, dürfen sich am direkt daneben liegenden Kiesstrand auch Hunde aufhalten. Ein sehr großer und einladender Bereich und schön zu sehen, dass hier auch an die Vierbeiner gedacht wird.
Immer wieder blieb ich stehen, sah mir die kleinen Boote im Hafen und das türkisfarbene Wasser an und bog einige Zeit später ab in Richtung einer Siedlung mit hübschen Ferienhäusern, ähnlich englischen Cottages. Knapp fünf Kilometer war ich unterwegs, eine schöne Runde, und kehrte am frühen Abend wieder zum Campingplatz zurück.
Zum Abendessen gab es eine kleine Brotzeit, natürlich mit gutem Wein. Darauf freute ich mich auf dieser Reise ebenfalls wieder: Neue, regionale Weine kennenlernen; denn auch die Loire ist ein bekanntes und beliebtes Weinbaugebiet.
Gegend Abend zog sich der Himmel langsam zu. Wir spazierten noch einmal zu Viert an den nunmehr menschenleeren Strand und betrachteten die herrliche Abendstimmung mit den dichten Wolken und der untergehenden Sonne.
Tag 3: Ins Tal der Könige - Muides-sur-Loire & Schloss Chambord
In der Nacht hatte es geregnet. Weil wir direkt unter Bäumen standen, wurde es stellenweise ganz schön laut. Aber lieber nachts als unter Tage. Heute Morgen strahlte auch schon wieder die Sonne vom Himmel. Oh wie schön!
Auf dem Weg zum Brötchen holen drehte ich noch eine kleine Fotorunde. Wenig später ging es mit den Hunden auf einen gemütlichen Vormittags-Spaziergang.
Um diese Zeit war noch nicht viel los am See. Stadtarbeiter waren mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Trotz der vielen Menschen gestern war der gesamte Strand sauber und jeglicher Müll wurde in und neben den zahlreichen Abfallbehältnissen an der Straße zusammengestellt. Hier lag nichts 'einfach nur so rum'. Sehr vorbildlich!!
Nach dem Frühstück brachen wir unsere Zelte wieder ab und machten uns nun endgültig auf den Weg ins Loiretal. Leider sagte der Wetterbericht nichts Gutes: Ausgerechnet in Chambord sollte es die nächsten beiden Tage viel Regen geben. Ein Ziel, auf das ich mich mit am meisten gefreut hatte.
Aber: Es ist wie es ist. Wir konnten es nicht ändern und vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm. Die heutige Fahrtstrecke hielt sich in Grenzen und nach knapp drei Stunden erreichten wir gegen 15 Uhr den Campingplatz Sandaya Château de Mareis. Anton hatte sich diesen ausgesucht. Zum einen, weil wir im letzten Jahr bereits gute Erfahrungen mit den Sandaya-Campingplätzen gemacht hatten. Zum anderen stand mitten im Platz ein eigenes Schloss; das wollten wir sehen.
Die junge Dame am Check-In war auf Zack und hatte sichtlich Freude an ihrer Arbeit. Unser Platz I9 lag ziemlich versteckt, fast am Endes des Platzes unter dichten Bäumen, aber irrsinnig groß. Da konnten wir uns ausbreiten.
Gleich zu Beginn des Aufenthalts drehten wir mit den Hunden unsere übliche erste Runde und sahen uns näher um. Der Campingplatz gefiel uns. Sehr schön angelegt, mit vielen gemütlichen Ecken. Einziges Manko am Stellplatz: 'Normale' E-Stecker und kein CEE-Campingstecker. Also wieder zurück zur Rezeption und für 50 € Kaution einen Adapter ausgeliehen. Man hat dann eben doch nicht immer alles mit dabei.
Das Regenradar immer im Blick (es wurde zu unserem treuesten Begleiter), entschied ich mich kurzerhand, Schloss Chambord doch gleich heute noch zu besuchen. Bis zum Abend sollte es noch trocken bleiben. Also Rad vom Camper, Akku eingelegt und eine halbe Stunde später los gedüst.
Knapp sechs Kilometer sind es vom Campingplatz nach Chambord und laut Google Maps für Radfahrer eine schnurgerade Strecke. Das krieg ich ihn. Tatsächlich handelte es sich dabei aber um die Hauptstraße und weil ich Autofahrern generell ungern im Weg umgehe, bog ich auf den ausgewiesenen Fahrradweg im Wald ab. Ist eh besser. Oder etwa doch nicht?
Es folgte eine kleine Odyssee quer durch den insgesamt rund 5.400 Hektar großen und von einer 32 km langen Mauer umschlossenen Park (im übrigen der größte in sich geschlossene und ummauerte Schlosspark Europas). Statt 'schnurgerade' gab es ständig Kurven und Abzweigungen, sodass ich mich stellenweise eher vom Schloss entfernte als mich ihm zu nähern. Dazu holprige Waldwege, dass mir das Fahrrad langsam leid tat und eine Dunkelheit aufgrund des dichten Waldes, dass mir mit der Zeit echt mulmig wurde. Weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Sind hier schon mal Leute verschwunden?
Etwas genervt verließ ich irgendwann den doofen Fahrradweg und endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, entdeckte ich von Weitem das beeindruckende Gemäuer von Schloss Chambord. Der Ärger war wie weggeblasen und ich strahlte. Auf dem Parkplatz war wenig los. Sah nach einem ruhigen Besuch aus. War ja auch schon Nachmittag.
Insgesamt ist das hier wirklich eine riesige Anlage. Mehrere Parkplätze, ein Markt, der vor den Toren des Schlosses aufgebaut war, dazu Restaurants und sogar ein eigener Wohnmobil-Stellplatz um die Ecke.
Die Ticketpreise richten sich nach der Herkunft des Besuchers. Während Europäer nur 21 € bezahlen, müssen Touristen aus Nicht-EU-Ländern gleich 31 € löhnen (Stand: Mai 2026). Dies dient für Restaurationen und Sicherheitsvorkehrungen und entlastet die Steuerzahler der EU, die sich durch ihre Abgaben ohnehin schon an dem Monument beteiligen. Nicht-EU-Bürger unter 18 Jahren und EU-Bürger unter 26 Jahren erhalten sogar freien Eintritt, was doch sehr großzügig ist.
Ja, und da war ich nun: Vor den Toren des beeindruckenden Schlosses Chambord. Beim Schreiben dieses Berichts habe ich das Fotoalbum von 2003 heraus gekramt und mir die Bilder unseres damaligen Aufenthalts hier angesehen. Wie eingangs schon erwähnt; wir waren damals nur im Außenbereich – und da gab es im Gegenzug zu heute ja fast gar nichts. Während man nun von Alleen und einer hübsch angelegten Parkanlage umgeben ist, war da früher nur eine Wiese. Da hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges getan.
Einmal das halbe Schloss umrundet, trat ich wenig später ein und war erst einmal erschlagen von der Größe und den zahlreichen Räumlichkeiten. Der am Ticketschalter ausgegebene Besuchsplan war Gold wert. So konnte man auch nichts verpassen.
Lustig allerdings die Einlasskontrollen: Meinen Fahrradhelm hatte ich extra noch in meinem Rucksack verstaut. Bei der Kontrolle war ihnen nicht wichtig, was sonst noch enthalten war, sondern nur, dass ich besagten Helm in einen Spint einschließe. Den durfte ich nämlich nicht mitnehmen, den Rucksack selbst schon. Aus welchem Grund, erschließt sich mir bis heute nicht. Er war ja eigentlich gut verstaut. Aber ok. Spint kostete nichts. Hoffentlich vergesse ich ihn später nicht …
Insgesamt vier Stockwerke können im Schloss Chambord besucht werden. Der Plan führt von Raum zu Raum, welche auch genauer erläutert werden. Kurz und knapp. Genau richtig für einen kleinen Überblick. Man hätte sich auch ein Tablet mit ausschweifenden Informationen ausleihen können; darauf verzichtete ich allerdings. Man kann sich doch sowieso nicht alles merken.
Schloss Chambord wurde 1519 als Meisterwerk der französischen und italienischen Architektur zu Ehren Franz I. errichtet. Leonardo da Vinci hatte ein paar Jahre zuvor erste Pläne erstellt. Im 16. und 17. Jahrhundert von Franz I., Heinrich II. sowie Ludwig XIV. als Jagdschloss genutzt, um vor allem Gäste zu beeindrucken, wurde es im 18. Jahrhundert Verwandten der Krone phasenweise zur Verfügung gestellt. Nach dem Privatbesitz Henris, dem letzten Grafen von Chambord, ging es 1930 an den Staat über, der es schließlich der Öffentlichkeit zugänglich machte.
Die Doppelwendeltreppe in der Mitte des Donjons, die den Plänen Leonardo da Vincis entstammt, ist das Herzstück des Schlosses und ein Denkmal für sich. Sie besteht aus zwei Treppenläufen, die sich übereinander um einen zentralen Kern winden und somit dazu führen, dass man sich jederzeit sieht, aber nicht unbedingt auf der Treppe treffen muss.
Im Erdgeschoss befinden sich Empfangssäle, Küchen aus dem 18. Jahrhundert sowie ein Kutschensaal, der wegen Bauarbeiten jedoch geschlossen hatte. Im 1. Stock des Gebäudes betritt man die Königlichen Gemächer von Franz I. sowie König Ludwig XIV. nebst ihrer Familien. Beeindruckende Räume, die originalgetreu eingerichtet sind und in bunten Farben und mit prächtigen Möbeln entgegen strahlen. Weil inzwischen auch fast keiner mehr unterwegs war, hatte ich viele der Räumlichkeiten für mich allein und konnte mich in längst vergangene Zeiten zurück träumen.
Das zweite Stockwerk widmet sich in erster Linie der Jagd in Chambord vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Eine Dauerausstellung erzählt über die Verwaltung des Schlosses. Die Säle und das Theater des Marschalls von Sachsen sind mit beeindruckenden, gemeißelten Kassettengewölben überspannt und neben dem Trophäenraum findet man präparierte Tiere, die traditionell im Park von Chambord vorkamen. Das gefiel mir nicht so.
Absolut faszinierend fand ich dagegen wieder die Terrassen des Schlosses. Sie sind der Endpunkt der großen Treppe auf der Spitze des Donjons. Von hier genießt man einen unglaublichen Panoramablick auf das gesamte Anwesen und darüber hinaus sowie auf die prächtige Gartenlandschaft. Die Pavillons und Türme sind mit Schornsteinköpfen, Laternen und Dachgauben übersät. Sie verleihen dem Schloss eine einzigartige, gotische Architektur. In der Mitte befindet sich eindrucksvoll die Turmlaterne mit einer in den Himmel gerichteten Königskrone.
Erst 2016 wurden nach sechzehnjähriger Forschung und außergewöhnlicher Bauarbeiten die Französischen Gärten von Chambord originalgetreu wieder hergestellt. Die Rasenbeete, die Alleen sowie gepflanzten Bäume sind in einer Symmetrie angeordnet wie das Schloss selbst.
Ein wirklich traumhafter Besuch. Auf dem Rundgang kann man sich tatsächlich verlieren und die Zeit vollkommen vergessen. Doch so langsam musste ich wieder zurück. Im Souvenirladen hielt ich mich dann doch noch deutlich länger auf als geplant. Wenn es aber auch so viel gibt. Hier kann man sich dumm und dämlich kaufen, gefühlt gibt es hier jeden Artikel mit Chambord-Aufdruck. Vieles kitschig, manches schön, doch das meiste fiel in die Kategorie: Gefällt mir, aber brauch ich nicht.
Am Chambord-Wein für mich und dem Chambord-Bier für meine Eltern und Kollegen kam ich dann aber doch nicht vorbei; auch nicht an den hübschen Ohrringen.
Schnell noch den gefährlichen Fahrradhelm aus dem Spint geholt, ging es also wieder zurück zu meinen Lieben. Ich versuchte es erneut über den Radweg. Eigentlich präge ich mir Strecken aufs erste Mal ein und komme dann auch problemlos wieder zurück. Jetzt sah aber irgendwie alles wieder ganz anders aus und bei den vielen Kurven und Kreuzungen musste ich mehrmals stehen bleiben, um die richtige Abzweigung in Google Maps zu finden. … Und dann kam der Regen. 'Wunderbar!'
Weil auf der Rue de Saint-Dyé (der Hauptstraße) nichts los war, bog ich schließlich auf diese ab. Sie wird ohnehin nur von den Schlossbesuchern genutzt; und das hatte jetzt geschlossen. Und ganz ehrlich: Wenn man viel Zeit und Muße hat: Fahrradweg. Wenn man allerdings irgendwann mal ans Ziel kommen möchte: Straße. Auch wenn ich das ungern sage.
Etwas durchnässt, aber trotzdem unglaublich happy über diesen so gelungenen Besuch, kam ich am frühen Abend wieder am Campingplatz an. Umgezogen und Regenpause genutzt, um mit den Mäusen eine kleine Runde zu drehen. An der Sandaya-Snack-Bar nahmen wir uns dann auch gleich noch eine Pizza mit. Der Hunger war groß und die Gerichte sahen lecker aus. Wäre da nicht das lange Warten; aber schließlich waren wir nicht die einzigen Gäste.
Gut gestärkt, erkundeten wir wenig später den Ort Muides-sur-Loire bei schöner Abendstimmung. Hübsch. Nichts los, aber gemütlich mit den vielen kleinen und typisch französischen Häusern. Plötzlich hörten wir irische Musik. Waren wir jetzt zu weit gelaufen? In einer kleinen Bar direkt an der Loire gab es ein kleines Live-Konzert einer irischen Band und die Bänke waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine Weile blieben wir stehen und lauschten der Musik. Wirklich gut. Gefiel uns.
Wieder zurück am Platz, nutzten wir die letzten Minuten der Abendsonne bei einem guten Glas Wein und waren gespannt, was der morgige Tag für uns bereit halten würde.
Tag 4: Muides-sur-Loire, Fahrradtour entlang der Loire & Abendstunden am Schloss Chambord
Am Morgen war ich erst einmal mit unserer heutigen Besucherin beschäftigt: Die gefleckte Weinbergschnecke. Sie schlurfte tritt-gefährdet über unseren Platz. Schon als Kind hatte ich Weinbergschnecken geliebt; faszinierende Tiere. Und wie damals auch schon, 'rettete' ich sie schließlich ins Gebüsch.
Ohne Vorbestellung gab es im Mini-Laden bei der Rezeption tatsächlich nur Baguette und ein einfaches Croissant. Alles andere hätte ich ordern müssen. Egal. Wir hatten ja noch Pancakes, die Anton wenig später für uns zubereitete.
Das Wetter war deutlich besser als gedacht. Zwar nicht sonderlich warm und die Sonne versteckte sich häufig hinter Wolken. Aber immerhin kein Regen. Und das war die Hauptsache.
Gegen Mittag ging es daher zu Viert auf eine ausgiebige Gassi-Runde durch den Ort Muides-sur-Lore und weiter an den Fluss. Gestern drehten wir hier wegen der lauten Musik und den vielen Menschen aufgrund Mia's Panik um; heute war nichts mehr los und so spazierten wir eine Weile an der Loire entlang.
Die Loire ist insgesamt 1.006 Kilometer lang und der größte in den Atlantik mündende Strom Frankreichs mit zahlreichen Nebenflüssen. Sie begleitete uns auch tatsächlich die gesamte Reise über. Auf unseren Fahrten überquerten wir die Loire häufig gleich mehrmals, und den ein oder anderen Campingstellplatz hatten wir ja auch direkt am Loire-Ufer.
Viel Schiffsverkehr gibt es hier nicht, zumindest nicht mit den größeren. Die Loire hat sehr unterschiedliche Wasserstände, so dass es nur ein einziges Flusskreuzfahrtschiff gibt, das (auch nur) einen kleinen Teil der Loire befährt. Ansonsten findet man Haus- und kleine Holzboote.
Die Gassi-Runde hatte uns alle begeistert. Eine schöne Gegend, sehr viel Natur und absolute Ruhe, die uns hier umgab. Allerdings hatten wir Benita ein wenig überfordert. Sie marschierte sofort ins Wohnmobil und ins Bett und war die nächsten Stunden nicht mehr ansprechbar.
Nach einer kurzen Pause schnappte ich mir das Rad und drehte eine Runde entlang der Loire. Ein festes Ziel hatte ich nicht, einfach drauf los und sehen, was mich erwartet.
Mit einem Abstecher in die Stadt erreichte ich kurze Zeit später das Château de Colliers, ein Schloss aus dem 18. Jahrhundert, welches heute als Hotel fungiert. Scheinbar hatte es noch nicht geöffnet, das Tor war verschlossen. Schade. Hätte ich mir gerne näher angesehen.
Nur wenig später stand ich am Hotel Manoir Bel Air, ebenfalls ein Schloss mit hübscher Parkanlage. Es wirkte zwar ebenfalls ziemlich verlassen, aber der kleine Park konnte besucht werden und so sah ich mich etwas näher um. Eine tolle Anlage, mit den üppigen Rosenstöcken sehr romantisch und einfach absolut passend für diese Gegend.
Über die Rue de Bel-Air ging es schließlich entlang des Quai de la Loire weiter. Von hier hatte ich wieder einen tollen Blick auf die Loire und befand mich nun ganz offiziell auf dem Loire-Radweg (der insgesamt 900 km lang ist). Aber auch der Straßenzug hier begeisterte mich. Altes (Stein)Gemäuer, bunte Haustüren und üppige, bunte Blumen. Die Kamera glühte.
Inzwischen war ich im beschaulichen Dörfchen Saint-Dyé-sur-Loire angekommen. Die imposante Église Saint-Dyé thront wie eine Trutzburg auf einem Hügel. Ich bog ab in die Rue de l'Église und stand wenig später direkt davor. Sie gilt als historisches Denkmal und beeindruckt vor allem mit dem markanten Glockenturm aus 1527, der aus der Zeit stammt, in der die Stadt als Flusshafen für das Schloss Chambord diente, um Baumaterial zu liefern. Und: Auch einer der Musketiere, d'Artagnan, war schon in diesem Ort und in dieser Kirche. :-)
Eigentlich wollte ich mir auch das Innere näher ansehen, aber ich konnte/durfte nirgends mein Fahrrad abstellen und so ließ ich es sein. Wenn Schilder explizit darauf hinweisen, dann ist es eben so.
Auf dem weiteren Weg durch den Ort entdeckte ich viele schöne Gassen, Kopfsteinpflaster und alte Gebäude. Ein geschichtsträchtiger Ort mit ganz viel Ruhe und mittelalterlichem Flair.
In der Maison de la Loire findet man eine kleine Ausstellung über das Ökosystem der Loire, auch die Flora und Fauna der Gegend wird hier näher erklärt. Die im Garten aufgestellten Bilder betrachtet, ging es anschließend weiter zur Stadtmauer von Saint-Dyé-sur-Loire. Besonders schön: Anhand kleiner Info-Tafeln direkt an Mauern oder Häusern erfährt man Stück für Stück die Geschichte des Ortes.
Inzwischen hatte sich der Himmel ziemlich zugezogen und das Regenradar meldete einen größeren Regenschauer in der nächsten halben Stunde. Zeit, aufzubrechen. Google Maps führte mich erneut über sehr interessante Wege. Statt auf dem Radweg entlang der Hauptstraße zu fahren, führte es mich über einen holprigen Feldweg, der schon deutlich bessere Zeiten gesehen hatte. Ich sollte wirklich mal mein Fahrradnavi nutzen, das ich mir extra noch vor dem Urlaub geholt hatte. Google Maps ist definitiv keine gute Wahl.
So ganz rechtzeitig schaffte ich es nicht mehr, der Regen setzte ein, aber ich nahm es mit Humor. Ich kannte das ja schon. Über die Rte d'Orléans und die Rte de Blois erreichte ich wenig später unseren Platz. Jetzt erst einmal Kaffee und leckere Eclaires, die Anton uns heute Morgen frisch geholt hatte. :-)
Eine Stunde später war es wie ausgewechselt. Blauer Himmel und Sonne. Zeit für einen weiteren Spaziergang über die Anlage, denn noch hatten wir nicht alles vom Campingplatz gesehen. Wir besuchten die Bereiche der Mobilehomes, die laut Plan komplett neu gestaltet wurden. Direkt hinter dem Schloss befindet sich ein kleiner See, ein Minigolfplatz und der Wellnesstempel. Ein großes Areal mit unglaublich viel Platz. Selbst wenn der Campingplatz ausgebucht ist, findet man hier sicherlich noch einige ruhige Zonen.
Fürs Abendessen holte ich uns nach einer kleinen Tomaten-Mozarella-Vorspeise noch einmal eine Pizza. Die gestern war einfach zu gut.
Und während Anton abends Fußball guckte, schnappte ich mir gegen 19 Uhr noch einmal das Fahrrad und düste erneut zum Schloss Chambord. Das Wetter war einfach zu schön und so bekam ich vielleicht doch noch ein paar tolle kräftige Fotos. Auf der Straße war nichts los und auch am Schloss selbst traf ich nur auf eine Handvoll Leute. Herrlich! Zahlreiche Bilder gemacht, fuhr ich einmal um das Schloss herum und ließ es minutenlang auf mich wirken. Schon imposant – immer wieder.
Mit einem Strahlen im Gesicht kehrte ich kurz vor Sonnenuntergang wieder zurück und Anton schüttelte nur lachend den Kopf; irgendwie war ihm klar, dass ich noch einmal zum Schloss gefahren war …
Eine Extra-Runde mit Benita gedreht, die nun langsam wieder ausgeschlafen war und die nie genug von ihren Schnüffelrunden bekommen kann, ließen wir den Abend gemütlich ausklingen.
Tag 5: Weiterfahrt an den Lac de Maine nach Angers
Ein wenig traurig war ich schon, als wir uns heute wieder vom Campingplatz Sandaya verabschieden mussten. Hier kann man sich wirklich wohlfühlen. Andererseits freute ich mich aber auch auf neue Entdeckungen.
Nur zwei Stunden Fahrt lagen vor uns, als wir gegen 13 Uhr den Camplatz Lac du Maine Camping d'Angers erreichten. Wie auch schon auf unseren Fahrten zuvor, tat sich landschaftlich gesehen nicht viel. Im Gegensatz zur letztjährigen Reise nach Südfrankreich war das Landschaftsbild hier eher langweilig. Endlos weite Felder und Wiesen, ein paar weiße Kühe oder Schafe. Das war's. Keine Hügel. Keine sichtbaren Weinbaugebiete.
Der Check-In verlief wie erwartet schnell und unkompliziert, die junge Dame sprach sogar Deutsch. Na, damit hatte ich nun nicht gerechnet. Sie freute sich richtig, es auch mal anwenden zu können und erzählte mir von den Ausflugsmöglichkeiten und Busverbindungen.
Tatsächlich scheinen sich hier im Loiretal nicht allzu viele deutschsprachige Camper zu bewegen. Die Plätze wurden vorzugsweise von den Franzosen selbst besucht, gefolgt von Engländern. Deutsche konnte man an einer Hand abzählen, was uns aber ehrlich gesagt auch ganz gut gefiel.
Der städtische Campingplatz ist übersichtlich gestaltet und war kaum belegt. Zwar wurde uns ein Platz zugeteilt, das junge Mädchen meinte aber gleich, dass wir uns eigentlich hinstellen dürften, wo wir wollen, da nichts los sei. Das taten wir dann auch. Die Stellplätze am Waldrand zum See sind eher lang als breit und dort suchten wir uns einen der schöneren aus. Auf diesen Plätzen genießt man viel Schatten, was in den heißen Sommermonaten durchaus von Vorteil ist. Die Plätze gegenüber befinden sich dagegen fast ausschließlich in der Sonne.
Der Himmel war dicht bewölkt und bevor es nun endgültig zu Regnen begann, drehten wir mit den Hunden eine kleine Runde. Zuerst über den Platz selbst, später dann noch ein wenig zum Lac de Maine, der direkt angrenzend liegt, den man vom Platz aus allerdings wegen des dichten Baumbestandes nicht sieht.
Der Lac de Maine ist ein 1970 angelegter, künstlicher See. Davor waren hier Überschwemmungswiesen, die für die Viehzucht vorgesehen waren. Nun gibt es einen eigenen und auch sehr großen Sandstrand sowie eine Kajak-Schule. Die von weitem sichtbare Pyramide wird gerade renoviert und dient dann wieder als Restaurant und Veranstaltungszentrum direkt am See.
Nach einer kleinen Kaffeepause im Restaurant, das irgendwie in den 80er Jahren stehen geblieben schien, wurde das Wetter wieder besser und so machte ich mich kurze Zeit später auf den Weg zum nur wenige hundert Meter entfernten Aussichtspunkt La Croix du Lac de Maine (das Kreuz von Lac de Maine). Zunächst den Aufstieg nicht gefunden, führte schließlich ein sehr enger und überwucherter Weg nach oben. Nicht lang, nur ein paar Minuten. Oben angekommen, ist auf den letzten Metern etwas Kraxeln angesagt, aber dann wird man mit einem tollen Panorama belohnt. Von hier blickt man über den gesamten Lac de Maine und darüber hinaus bis nach Angers mit seinen Kirchen und Türmen.
Vorbei an der Bushaltestelle und den Fahrplan studiert, spazierte ich nun noch eine Weile am See entlang. Einmal rund herum sind es rund sechs Kilometer. Es juckte ein wenig in den Beinen, den See komplett zu umrunden (weil ich das generell immer sehr gerne mache), aber dann wäre ich zu lange unterwegs gewesen. Ich wollte Anton und die Hunde nicht ewig allein lassen und so kehrte ich nach einer Weile wieder um.
Aber schön ist es hier. Neben dem See gibt es noch ein kleines Biotop, Schwäne komplettieren das kitschige Seen-Bild und die Wiesen und Felder wirkten mit ihren Holzzäunen fast wie in Südengland.
Zurück am Platz, wurde ich schon erwartet. Nach einem leckeren Abendessen brachen wir noch einmal zu Viert auf und liefen nun in die andere Richtung des Sees, die ich noch nicht kannte. Hier ist man fast nur im Wald unterwegs, für Mia das absolute Paradies!
Tag 6: Unterwegs in Angers
Weil es keinen richtigen Laden am Campingplatz gibt, sondern nur ein paar Regale neben der Rezeption mit regionalen Produkten (vorzugsweise Wein und ein paar kleine Lebensmittel), müssen Brötchen fürs Frühstück vorbestellt werden. Das habe ich gestern natürlich getan und holte sie nun am Morgen im Restaurant ab. Wer möchte, kann hier aber auch direkt frühstücken, auch das wird angeboten.
Am Vormittag drehten wir unsere übliche Spazierrunde mit den Vierbeinern, wenn auch etwas reduziert. Tatsächlich hatten wir Benita in den letzten Tagen wohl ein wenig überfordert; sie war ziemlich platt.
Entgegen der Wettervorhersage eines vorzugsweise trockenen Tages, jedoch mit starker Bewölkung, sollte uns heute fast nur Regen durch den Tag begleiten. Meine Laune war gleich Null und 'eigentlich' hatte ich gar keine Lust auf eine Unternehmung. Aber jetzt waren wir hier, ich wollte mir Angers und die Burg gerne ansehen und kleidete mich wetterfest ein.
Statt mit dem Rad ging es per Bus in das gerade einmal fünf Kilometer entfernte Angers. Die Bushaltestelle 'Camping Lac de Maine' befindet sich ca. 650 m vom Campingplatz entfernt. Die Fahrt selbst dauert bis zum Château d'Angers ca. zehn Minuten und kostet 1,60 €, wenn man per App oder EC-Karte bezahlt oder 2,00 €, wenn man bar beim Fahrer bezahlt. Dabei richtet sich der Preis nicht nach der Entfernung, sondern der Dauer. Das Ticket ist eine Stunde gültig. Egal, wohin man fährt.
Von der Haltestelle 'Château' sind es nur wenige Meter zum Château d'Angers, das nun mein erster Anlaufpunkt sein sollte. Über die Promenade Bout du Monde umrundete ich das Schloss erst einmal zur Hälfte und trat dann über die imposante Hängebrücke ein.
Den Eintrittspreis von 14 € bezahlt (Stand: Mai 2026), bekam ich auch hier wieder einen kleine Besuchsplan und startete den Rundgang über die Anlage.
Bereits im 9. Jahrhundert ließ sich der erste Graf von Anjou in Angers nieder. Drei Jahrhunderte später entstand der erste Palast. Im 13. Jahrhundert ließ die Regentin Bianka von Kastilien die Festung weiter ausbauen. Im 14. und 15. Jahrhundert nutzten Ludwig I., Ludwig II. und König René die Festung für ein luxuriöses Hofleben.
Die von einer rund 500 Meter langen Mauer umgebene Festung besitzt insgesamt 17 Türme von je etwa 30 Metern Höhe. Sie bestehen aus mehreren Ebenen, die Tore waren mit Systemen aus Fallgattern und Mordlöchern gesichert. Das gesamte Schloss nebst Gärten erstreckt sich auf rund 20.000 qm.
Der herrschaftliche Hof ist umgeben von den Gebäuden der Grafen und Herzöge von Anjou. Als erstes besuchte ich die königlichen Gemächer von König René und die jeweils zwei Räume eines jeden Stockwerks, in denen prächtige Wandteppiche ausgestellt sind. Die Kapelle wurde 1410 errichtet und wirkt mit ihrer Größe eher wie eine ausgewachsene Kirche.
Besonders schön fand ich trotz des Regens den Spaziergang auf dem Wehrgang der Festungsmauern. Sie wurden Ende des 15. Jahrhunderts neu angelegt. Von hier aus hat man zum einen einen tollen Blick auf die gesamte Anlage und den herrschaftlichen Hof. Zum anderen kann man auch weit über Angers, den Lac de Maine sowie den Fluss Maine blicken. Ein herrliches Panorama. Die Gärten hier oben umfassen einen Wein- und Terrassengarten mit vielen Gewürzpflanzen.
Das Highlight der Anlage ist die Galerie der Apokalypse. Diese L-förmige Galerie wurde Mitte des 20. Jahrhunderts an der Stelle zerstörter Gebäude errichtet und birgt inzwischen den monumentalen Wandteppichzyklus, das älteste Wandteppichensemble seiner Größe (100 m), das heute noch existiert. Von Herzog Ludwig I. von Anjou in Auftrag gegeben, wurde es innerhalb sieben Jahren fertiggestellt. Der Wandteppich ist ausschließlich aus Wolle gewebt. Ein faszinierender Anblick und kaum vorstellbar, wie man so etwas zur damaligen Zeit per Hand erstellen konnte.
Wieder im herrschaftlichen Hof angekommen, besuchte ich das Wohnhaus des Gouverneurs aus dem 18. Jahrhundert. Hier befindet sich inzwischen ein nettes, kleines Café.
Eine gute Stunde hielt ich mich im Châteu d'Angers auf. Ein sehr interessanter Besuch mit viel geschichtlichem Hintergrund. Bei schönem Wetter hätte mir der Aufenthalt sicher noch mehr Spaß gemacht. Motive gab es jede Menge, bei Regen hielt sich die Ausbeute jedoch in Grenzen.
Die Altstadt von Angers befindet sich gleich um die Ecke, so dass ich mich nun mit Stadtplan bewaffnet auf den Weg machte.
Entlang verwinkelter Gassen und vorbei an schön dekorierten Hauseingängen erreichte ich nur wenige hundert Meter später die Kathedrale Saint Maurice von Angers aus dem 12. Jahrhundert. Mit ca. 17 Metern Gewölbespannweite ist sie die breiteste Hallenkirche Frankreichs. Und auch hier findet man wieder zahlreiche Wandteppiche; fast schon ein Markenzeichen Angers.
Weniger schön empfand ich das gerade neu und modern erbaute Portaldach. Es soll zwar die farbig gefassten Statuten vor Witterungseinflüssen schützen; man hätte es jedoch schöner gestalten können. Es wirkt wie ein fremder Klotz.
Besonders gut gefiel mir der Platz vor der Kathedrale, entlang der Rue Saint-Christophe. Schöne Häuser und mit kleinen Holzzäunen eingefasste Sitzgelegenheiten. Mal was anderes.
Imposant ist natürlich die Montée Saint-Maurice, die Treppengasse vor der Kathedrale. Die breiten Treppenstufen führen direkt hinab ins Zentrum. Beim Blick zurück sieht man die Kathedrale in ihrer ganzen Schönheit; einer der beliebtesten Foto-Hotspots in Angers. Doch nicht nur nach oben und nach unten lohnt sich der Blick. Mich haben vor allem die 'schrägen' Häuser entlang dieses Hügels begeistert, die mit ihren bunten Eingängen besonders schön sind.
Spaziert man von hier aus hinter die Kathedrale, erreicht man wenig später eine der Einkaufsstraßen der Stadt, in der die Maison d'Adam wohl das bekannteste und interessanteste Gebäude ist. Direkt an der Place Sainte-Croix befindet sich 'das Haus Adam', das auch als Haus von Adam und Eva bezeichnet wird. Dieses Fachwerkhaus ist ein Zeugnis mittelalterlichen Erbes aus dem Jahre 1491. Heute findet man im Erdgeschoss einen üppig gefüllten Souvenir- und Kunstladen. Auch ich sah mich hier näher um, aber von so viel Glas-Figuren und Dekoartikeln wird man regelrecht erschlagen.
Hier in diesen kleinen Gassen und Straßen sieht man immer wieder ein paar Fachwerkhäuser, wie es sie in Straßbourg oder Colmar zu Hauf gibt; in Angers sind sie allerdings doch etwas besonderes.
Eine Weile hier aufgehalten und in den ein oder anderen Laden geguckt (meistens nur die liebevoll dekorierten Schaufenster betrachtet), spazierte ich nun in Richtung des Flusses La Maine. In den Halles Ceur de Maine (Biltoki) gibt es frisches Gebäck, Fleisch und Käse. Vor allem aber hat man die Möglichkeit, sich an verschiedenen Ständen (ähnlich eines Food-Courts) etwas zu Essen zu holen und mit einem guten Glas Wein eine gemütliche Zeit zu verbringen.
Tatsächlich lachte mich hier einiges an. Zum einen die unglaublich leckeren Canapés, aber auch die nur so von Zucker strotzenden Süßwaren. Ich entschied mich dagegen; so ganz allein macht es einfach wenig Spaß. Und etwas mitnehmen war auch schwer; das fällt alles in sich zusammen.
Ein bisschen entlang der La Maine spaziert, überquerte ich die Pont des Arts et Métiers und sah mich im Stadtteil Doutre näher um. Entdeckt man um die Kathedrale herum nur vereinzelt Fachwerkhäuser, befindet man sich hier inmitten eines historischen Viertels mit Kopfsteinpflaster, schiefen Häuser und Teilstücke einer Stadtmauer. Wäre da nicht die bunte und topmoderne Straßenbahn, könnte doch glatt noch ein Ritter vorbei reiten.
Eine tolle Gegend mit ganz viel Flair, nicht zuletzt auch wegen der teilweise bunten Boutiquen und Cafés. Auch genießt man vom Quai des Carmes mit seinem kleinen Hafen einen schönen Blick auf die Innenstadt von Angers mit seiner Kathedrale.
Wieder zurück über die historische Pont de Verdon ging es nun noch einmal kreuz und quer durch die Stadt. Weil es inzwischen aber unaufhörlich regnete, machte ich mich langsam auf den Weg zum Bus. Zwischendrin entdeckte ich einen Supermarkt und sah mich ein wenig um, als ich plötzlich von einem Mann permanent verfolgt wurde. Er ließ nicht locker, quatschte mich auf Französisch an, wovon ich nichts verstand und wurde aufdringlich. Und das mitten im Supermarkt! Der erste und einzige Moment auf dieser Reise, in dem ich mich etwas unwohl fühlte. Ich blaffte ihn an, wurde immer schneller; irgendwann ließ er von mir ab. Trotzdem umgab mich hier ein echt eigenartiges Gefühl. Die Leute sahen mich alle komisch an, verhielten sich selbst sehr merkwürdig, sprachen mit sich selbst und tickten teilweise aus. Wo war ich denn hier gelandet? An der Kasse stand ich dann auch noch eine geschlagene Viertelstunde, weil die Dame den Barcode einer Salami fünf Mal falsch eingegeben hatte und das in einer Seelenruhe, dass meine Geduld langsam am Ende war. Ein komischer Ort.
Den Fahrplan (vermeintlich) im Kopf, wurde ich auf die tolle Auslage einer Boulangerie aufmerksam. Hm. Da muss ich doch glatt noch was für mich und Anton und unseren Nachmittags-Kaffee mitnehmen. Die Wahl fiel schwer, es sah alles so verdammt lecker (und ungesund) aus. Aber auch hier musste ich viel Zeit und Geduld mitbringen. Das Mädchen vor mir zahlte drei Mal, weil sie zwischendurch dann doch immer noch 'das hier' oder 'das hier' mit dazu nehmen wollte. Also Zeit scheint hier in Angers keine Rolle zu spielen.
Alles beisammen und ein klein wenig aufgepackt, machte ich mich auf die Suche nach der Bushaltestelle, die aber nicht da war, wo ich sie vermutete. Panik! Ich hatte doch nur noch fünf Minuten. Google Maps leitete mich in die falsche Richtung. Und dann sah ich sie doch. Angekommen, gefreut … um zu sehen, dass ich mir die falsche Uhrzeit eingeprägt hatte und der nächste Bus erst in 35 Minuten ging. Hervorragend! Das passte zu der letzten Stunde hier in Angers. Auf einen weiteren Rundgang in der Stadt hatte ich allerdings keine Lust mehr; es schüttete und mir war kalt. Also warten …
Durchnässt und ein wenig durchgefroren erreichte ich schließlich gegen 16.30 Uhr wieder den Campingplatz und meine Lieben. Sie hatten es sich in den letzten Stunden im Wohnmobil bequem gemacht und mal so richtig ausgeschlafen.
Für mich hieß es nun: Heißer Kaffee und das süße Zeug vom Bäcker. Das musste jetzt sein. Und dabei erzählte ich von meinen heutigen Eindrücken und Erlebnissen. Angers an sich fand ich schön. Die Stadt ist sehenswert und das Schloss beeindruckend. Die Mentalität der Leute allerdings wirkte ein wenig bedrohlich auf mich. Warum, kann ich ehrlich gesagt nicht sagen. War eben so.
Irgendwann mussten auch die Mäuse mal wieder raus und so drehten wir bei strömendem Regen zwei Runden über den Platz. Nun waren meine Schuhe komplett durchnässt. Die Jacke ebenfalls. Ob sie jemals wieder trocken werden? Meine Laune war trotz allem erstaunlich gut. Irgendwann resigniert man einfach.
Tag 7: Ab auf die Insel – ab nach l'Île de Noirmoutier
Irgendwie schade, dass wir den Campingplatz kaum nutzen konnten. An gemütlich draußen sitzen war die Tage nicht zu denken. Entweder Regen oder kalt. Tatsächlich drehten wir immer nur ein paar schnelle Runden am Platz. Trotzdem hat uns der Aufenthalt hier am Lac de Maine gefallen. Die gesamte Belegschaft war unglaublich freundlich und bemüht. Auch wenn nicht immer alles so geklappt hat wie gewollt (der Cappuccino zum Beispiel im Restaurant war eher ein Café au Lait – aber damit hatten wir ja im letzten Jahr schon so unsere Erfahrungen gemacht); sie waren immer gut drauf und hilfsbereit.
Allein die Nähe zu Angers ist dieser Platz schon wert. Mit dem Bus ist es ein Katzensprung und bei schönem Wetter kann man entlang des Lac de Maine auch gut mit dem Rad oder sogar zu Fuß in die Stadt. Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Platz.
Nach dem Frühstück und einer kleinen Gassi-Runde zum See, machten wir uns gegen Mittag wieder auf den Weg. Zu allem Übel ging heute Morgen unsere Kaffeemaschine in Rauch auf, so dass ich sie leider am Wertstoffhof in Angers zurücklassen musste. So ein Mist aber auch. Ab sofort hieß es also: Kaffee mit der Bialetti; mühsam, aber machbar.
Die Lebensmittel wurden langsam knapp und so legten wir auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel, der l'Île de Noirmoutier einen Stopp bei Intermarche in Beauvoir-sur-Mer ein. Während ich mit den Hunden am Wohnmobil blieb (ich bin einfach vorsichtig und möchte das Wohnmobil auf öffentlichen Plätzen nicht alleine stehen lassen), versuchte Anton, sich in diesem Mega-Store zurechtzufinden. Die Supermärkte in Frankreich haben schon eine ganz andere Dimension als hierzulande.
Eine knappe halbe Stunde Fahrt lag nun noch vor uns und die Landschaft veränderte sich merklich von Kilometer zu Kilometer. Wie bereits erwähnt, empfanden wir das Landschaftsbild im Loiretal als etwas eintönig mit den endlos weiten Feldern und Wiesen. Hier änderte sich der Baustil der Häuser, es wurde heller, immer mehr Kanäle zogen sich entlang und den absoluten Whow-Moment erlebten wir schließlich mit Erreichen der Pont de l'Île de Noirmoutier bei Fromentine. Vor uns das türkisfarbene Meer mit weißem, endlos weiten Sandstrand. Whow! Einfach nur: Whow!
Das Überqueren der 24 Meter hohen Brücke von Noirmoutier ist schon ein kleines Highlight. Bei nur 583 Metern Länge ist man zwar schnell auf der Insel, genießt aber jede Sekunde; so ging es mir zumindest.
Der Wunsch der Inselbewohner, die Brücke mit einer Maut zu belegen, wurde vom Department Vendée erst einmal zurückgewiesen. Man befürchtete, dass die gefährliche Passage du Gois in diesem Falle zu stark in Anspruch genommen werden würde. Bei Wind und Wetter sollte man aber trotzdem auch hier beim Überqueren Acht geben, bei einer Windstärke ab 100 km/h wird sie ohnehin gesperrt.
Ich saß wie ein kleines Mädchen im Wohnmobil und bekam den Mund nicht mehr zu. Tatsächlich gibt es bei mir immer wieder Momente auf unseren Reisen, die mich ins Staunen versetzen. Und dann halte ich auch nicht mit meiner Begeisterung hinterm Berg.
Von hier waren es dann nur noch wenige Minuten, als wir nach Durchqueren einer Wohnsiedlung den etwas versteckten Campingplatz Sandaya Domaine Le Midi erreichten. Was für eine Einfahrt! Es sah nach einem großen Areal aus und prompt schlug uns pures Urlaubsfeeling entgegen.
Die Île de Noirmoutier ist eine französische Atlantikinsel mit rund 10.000 Einwohnern, wovon die Hälfte im Hauptort Noirmoutier-en-l'Île zu finden ist. In den Sommermonaten verfünffacht sich die Zahl der Menschen auf gut 50.000. Dann allerdings möchte ich nicht hier sein; bei uns war erfreulicherweise noch kaum etwas los.
Die rund 48 km² große Insel ist ziemlich flach und kann bei Niedrigwasser sogar zu Fuß oder mit dem Auto außerhalb der großen Brücke erreicht werden, über die vorhin schon kurz erwähnte Passage du Gois; im Norden dagegen sind durchaus auch Felsküsten zu finden.
Doch bevor es ans Erkunden der Insel ging, musste ja erst einmal eingecheckt werden. Am Empfang warteten gleich drei Mädchen auf mich, eine 'Chefin' und zwei Auszubildende. Eine von ihnen hatte ein deutsches Schild an ihrer Jacke, so dass ich sie doch gleich einmal etwas forderte und auf Deutsch ansprach. :-) Anfangs etwas schüchtern, kam sie immer mehr rein und als ich sie wegen ihrer Sprachkenntnisse lobte, wurde sie gleich ein paar Zentimeter größer.
Bei der Vergabe des Stellplatzes waren wir uns dann allerdings nicht ganz so einig. Eigentlich hatten wir einen Platz in der Nähe zum Meer gebucht. Dass wir keinen Meerblick hatten, war mir wegen der Düne klar. Aber laut Plan sind wir doch ein ganzes Stück davon entfernt. Die näher zur Düne gelegenen Plätze seien angeblich nicht für unser Wohnmobil geeignet oder bereits ausgebucht. Hm. Schade. Dann half es nichts, also auf den Platz gefahren.
Doch schon beim Anfahren wussten wir: Diesen Stellplatz wollen wir nicht. Schief und krumm, direkt am Waschhaus. Nö. Also wieder zurück zur Rezeption und Anton geschickt. Eine geschlagene halbe Stunde (!) später kam er wieder. Ich wollte schon fast eine Vermisstenanzeige aufgeben. Näher zur Düne bekamen wir zwar trotzdem nicht, dafür aber einen schönen und geraden Platz ein paar Meter weiter. Passt.
Warum wir allerdings nicht weiter vorne parken durften, wissen wir bis heute nicht. Zum einen standen dort deutlich größere Wohnmobile als unseres. Also daran konnte es schon mal nicht liegen. Und ausgebucht waren sie auch nicht, bis zu unserer Abreise stand dort fast niemand. Eigenartig.
Nicht nur ich wurde langsam ungeduldig, auch die Hunde drängten nach draußen. Es ist schon erstaunlich: Während der Fahrt oder auch wenn wir irgendwo zum Einkaufen stehen bleiben, sieht und hört man von den beiden nichts. Dann liegen sie in ihren Bettchen und machen keinen Mucks. Aber sobald wir auch nur einen Meter in den Campingplatz eingefahren sind, springen sie auf (vor allem Mia) und wollen prompt nach draußen. So als hätten sie auf ihren Plätzen ein eigenes Navi und wüssten ganz genau über unsere Ankunft Bescheid.
Das Ausrichten des Wohnmobils vertagten wir daher auf später und machten uns auf direktem Weg zum Strand … und waren begeistert. Anton lief mit Mia vorneweg, die sich freute wie ein Schneekönig. Auch Benita war happy, endlich wieder ihre Beinchen im Sand zu spüren und flippte gepflegt aus. Und was für ein Strand uns hier erwartete! Unglaublich, so einen breiten und endlos langen Sandstrand OHNE auch nur eine Liege oder einen Schirm haben wir noch nie gesehen. Ein wilder Strand, trotzdem sauber und atemberaubend.
Wir alle vier freuten uns auf die nächsten Tage hier auf der Insel. Meer und Strand ist eben doch noch mal was anderes und zaubert sofort ein Stück Erholung herbei.
Wieder zurück, wurde das Wohnmobil richtig abgestellt und erst einmal der Einkauf verstaut; natürlich mit tatkräftiger Unterstützung von Mia.
Eine kurze Erfrischungspause eingelegt; die Temperaturen waren hier deutlich höher als im Loiretal und schrien nach kurzer Hose; spazierten wir im Anschluss gemütlich über den Campingplatz und nahmen ihn näher in Augenschein. Was für eine schöne Anlage. Kein richtiger, aber fast ein Dünen-Campingplatz mit allerlei Highlights.
Neben den Stellplätzen findet man hier über die gesamte Anlage verteilt auch zahlreiche Mobilehomes unterschiedlicher Klassen. Sogar Tipizelte oder auch größere Zelte sind vorhanden. Die Waschhäuser sehen von außen wie kleine Strandhäuser aus. Das Innere überzeugte mich jetzt nicht aber wir nutzen Waschhäuser ohnehin selten; lieber greifen wir auf unser eigenes zurück. Zwar war nichts schmutzig oder so, aber einfach schon veraltet und auch die Witterung hatte im Lauf der Jahre ihren Teil dazu beigetragen.
Vorbei am Swimmingpool, erreichten wir das Restaurant nebst Bar mit Bühne. Ein schöner Bereich, allerdings war nichts los. Erst zum Wochenende, also ab übermorgen, würden sie öffnen. Schade, scheinbar waren wir noch in der Nebensaison, trotz Anfang Mai.
Den restlichen Nachmittag und Abend verbrachten wir gemütlich am Platz, drehten die ein oder andere Runde und ich verzog mich für eine Weile mit meiner Kamera an den Strand. Wer gerne Muscheln sucht, ist hier definitiv richtig. Man kann sie hier kiloweise sammeln und findet zwischendurch auch immer noch ein paar besonders schöne und große, die es sonst eher selten gibt.
Etwas windig war es heute; das erschwerte uns am Nachmittag auch ein klein wenig den Aufbau der Markise. Ab morgen sollte es besser werden. Aber ich war überhaupt schon glücklich über dieses schöne und trockene Wetter. Die nächsten Tage sahen ebenfalls vielversprechend aus.
Nach dem Abendessen ging es erneut mit den Hunden an den Strand. 'Eigentlich' ist ab Mai Hundeverbot, doch in Frankreich wird das nicht so eng gesehen. Wenn nichts los ist – so wie hier – und man aufpasst, dann hat auch niemand ein Problem damit. Die Franzosen selbst fahren ja extra mit ihren Hunden hierher.
Die Mäuse buddelten, wälzten sich im Sand und waren sichtlich happy. Vor allem Mia, die die Weite liebt; für sie war es das Paradies pur.
Zum Sonnenuntergang machten es sich die Drei dann bereits im Camper bequem, ein wichtiges Fußballspiel wurde übertragen. ;-) Ich gönnte mir noch ein gutes Glas Wein und überlastete wenig später meine Kamera mit zahlreichen Sonnenuntergangs-Bildern. Was sein muss, muss sein. Gehört für mich einfach dazu. An Sonnenuntergängen komme ich einfach nicht vorbei.
Tag 8: Radausflug noch Noirmoutier-en-l'Île, La Guérinière & Rue de Moulins
Heute Morgen wurden wir von einem wolkenlosen blauem Himmel begrüßt und ich war einfach nur happy. Auf dem Weg zum Brötchen holen, drehte ich gleich mal eine kleine Fotorunde.
Außerhalb des Campingplatzes, nur wenige Meter von der Schranke entfernt in Richtung Strand gibt es einen kleinen Laden. Er bietet die wichtigsten Lebensmittel, frisches Obst und Gemüse, aber auch regionale Produkte und Haushaltswaren. In der Nebensaison hat er nur eingeschränkt geöffnet. Backwaren gab es hier in Hülle und Fülle, Vorbestellung nicht erforderlich, abgesehen davon auch nicht möglich.
Doch bevor es ans Frühstücken ging, powerten wir unsere Vierbeiner aus und spazierten an den Strand. Erwartungsgemäß war kaum etwas los und so kam es zu einer kleinen Premiere: Ich ließ unsere beiden Hunde ohne Leine laufen! Das passiert außerhalb bekannter Gebiete sonst nie, da ich viel zu ängstlich bin. Ein Schreckmoment und sie sind weg. Aber hier konnte man wirklich kilometerweit sehen, keine frei laufenden Wildtiere, andere Hunde waren weit genug weg. Und wie schön das war! Während Mia die Gunst der Stunde nutzte und herum flitzte, schnupperte Benita gemütlich vor sich hin, ließ sich dann aber trotz ihres Alters zu einer Sauserunde überreden. Herrlich! Glücksmoment!
Müde und zufrieden, kehrten wir nach einer Weile zurück und genossen in aller Gemütlichkeit unsere Croissants und Pain au Chocolat.
Gegen Mittag machte ich mich auf den Weg zu meiner heutigen Radtour. Zum ersten Mal nutzte ich mein eigens noch vor dieser Reise angeschafftes Fahrradnavi. Zuhause bereits ein wenig getestet und für höchst kompliziert empfunden, freundete ich mich nach und nach damit an und war am Ende des Tages mehr als begeistert. Ist schon was anderes als Google maps. So macht Fahrradfahren mehr Spaß.
Erstes Ziel war die Hauptstadt der Insel, Noirmoutier-en-Île, die ich mit mehreren Stopps an schönen Aussichtspunkten etwa eine halbe Stunde später erreichte. Ein wenig an der Rue de l'Êclusie entlang gefahren, herrschte gerade Ebbe am Trockenhafen Étier du Moulin, einem Hafenkanal. Ein besonderes Bild.
Am Quai Jean Bert entlang, stellte ich mein Fahrrad an einem eigenes dafür vorgesehen Parkplatz an der Pl. d'Armes nähe der Burg ab. Das Château de Noirmoutier steht wie eine Trutzburg über dem Ort und hat mich von Beginn an begeistert. Zwar wirkt sie – wie eigentlich der gesamte Ort – wie gerade erst erbaut; alles ist ist unglaublich gepflegt und akkurat angelegt.
Die Festung stammt ursprünglich aus dem Jahr 830, wurde im 12. Jahrhundert von den Baronen von La Garnache ausgebaut und bildet gemeinsam mit der direkt gegenüber liegenden Kirche Saint-Philbert das historische Herz der Insel.
Der Innenhof ist für die Besucher jederzeit zugänglich. Eine kleine Anlage mit Sitzmöglichkeiten und einer schönen Ansicht auf das alte Gemäuer. Das Innere der Burg kann ebenfalls besichtigt werden. Zu sehen sind die ehemaligen Gemächer des Burgherrn sowie Wechselausstellungen (Galerien). Doch jetzt war Mittagspause und kein Besuch möglich.
Über die Rue de Douves spazierte ich entlang der Burg in den Altstadtkern und war ganz hin und weg von den hübschen Weinbars und Restaurants. Klein und urgemütlich. Hier ein Gläschen Wein zu trinken, mit Blick auf das Château – das hat was!
Ebenfalls gut gefallen hat mir das Innere der Kirche Saint-Philbert mit ganz viel Stuck und faszinierendem Boden.
Von hier spazierte ich noch einmal kreuz und quer durch den Ort, als ich einen kleinen Weinladen entdeckte. Da musste ich rein. Der Verkäufer beriet mich mit regionalen Weinen, über den Geschmack müssten wir aber noch einmal reden. Angefragt hatte ich einen süßen Wein, der laut ihm 'wie ein Bonbon' schmeckt. Herausgestellt hat er sich als das genaue Gegenteil. Egal.
Je weiter ich gen Westen spazierte, desto moderner wurde die Stadt. Ich lief durch eine Einkaufsstraße mit zahlreichen Boutiquen und Souvenirläden. Trotzdem nicht kitschig. In einem Laden entdeckte ich ein süßes T-Shirt für Anton; das muss mit.
Immer wieder boten sich mir neue Fotomotive. Natürlich wieder zahlreiche Fenster und Türen, aber sogar die öffentlichen Toiletten sind hier so schön gestaltet, dass sie doch glatt ein Foto wert waren. Warum schafft man es bei uns in Deutschland nicht, so etwas so ansprechend und vor allem sauber zu halten wie hier?
Lange hielt ich mich hier auf, obwohl der Ort wahrlich nicht groß ist. Aber ich genoss es, langsamen Schrittes durch die Straßen zu flanieren, mal hier und mal dort hinein zu schnuppern. Ein schönes Städtchen, das mich echt begeistert hat.
Auf dem Rückweg legte ich noch im Ort La Guérinère einen Stopp ein. Er befindet sich an der schmalsten Stelle der Insel; von hier aus gelangt man zu zahlreichen Muschelbänken in der Bucht von Bourgneuf. Der Stadtkern ist überschaubar, mit einer Kirche, kleinen Bars und Läden. Aber ebenfalls sehr ruhig und heimelig. Am Rathaus steht eine kleine Fotowand, die die Entwicklung des Ortes wiedergibt. Für mich immer besonders interessant, alte Fotos zu sehen. Und auch der alte Trödelladen um die Ecke lockte mich mit seinen zahlreichen Gegenständen. Alte Fahrräder, abgegriffene Holzpferde. Schön.
Im Westen der Stadt befindet sich eine sieben Kilometer lange Bucht mit feinstem Sandstrand, die dahinter liegende Dune de la Cour wird von den vier Moulins de la Cour überragt. Zwischen La Guérinère und Bârbatre befindet sich die Rue de Moulins, an der sich eine historische Mühle an die andere reiht. Ein hübscher Wanderweg, teilweise entlang der Dünen im Sand. Die Mühlen selbst können leider nur von außen besichtigt werden, da sie sich in Privatbesitz befinden und größtenteils als Ferienhäuser genutzt werden. Ihren Namen bekamen sie, weil der Bau auf halben Wege zwischen Barbâtre und Noirmoutier-en-l'Île vom Gericht angeordnet wurde.
Ich liebe Mühlen und natürlich musste ich mir diese näher ansehen. Insgesamt gab es bis zum 19. Jahrhundert bis zu 40 Windmühlen auf der Insel, heute sind nur noch rund 23 gut erhalten.
Eine wundervolle Gegend, die mich schwer begeisterte. Generell war ich fasziniert von der Insel. Bei Buchung hatte ich mir noch überlegt, ob uns drei Tage hier nicht vielleicht doch langweilig werden würden. Aber ganz im Gegenteil. Auch eine Woche hätten wir hier locker verbringen können.
Am Nachmittag war ich schließlich wieder zurück am Platz, zeigte meine Einkäufe des Tages und legte jetzt erst einmal eine kurze Pause ein, bevor wir uns schließlich zu Viert auf den Weg in den Ort Barbâtre machen. Der lag nämlich nur wenige hundert Meter entfernt und war ein schöner Spaziergang.
Wir liefen zur Kirche Saint-Nicolas aus dem Jahre 1100, weiter zum Rathaus (Mairie) und zum Kriegerdenkmal Morts de Barbâtre. Selten, dass wir mit Mia durch eine Stadt spazieren können; hier war allerdings auch nichts los. Ein wenig aufgeregt machte sie alles gut mit. Hauptsache, man kann auf Mauern und Bänken umher springen. Als Belohnung, weil sie so tapfer war, ging es schließlich über den Strand wieder zurück. Dort durfte sie ausgiebig toben und mit Benita herumblödeln. Ein wundervolles Bild von den beiden; ausgelassene Stimmung.
Den Abend verbrachten wir im Anschluss gemütlich an unserem Platz. Das Wetter war herrlich und wir ließen es uns einfach gutgehen. Zum Sonnenuntergang machten wir uns auf den Weg zum Strand, suchten uns ein schönes Plätzchen (das Benita eifrig umgrub) und ließen den Abend gemütlich ausklingen.
Tag 9: Radrundfahrt im südlichen Teil von l'Île de Noirmoutier
Am Morgen unseren üblichen Spaziergang mit den Hunden unternommen und ausgiebig gefrühstückt, machte ich mich um die Mittagszeit wieder auf den Weg.
Dieses Mal stand eine Radrundfahrt im südlichen Teil von l'Île de Noirmoutier auf dem Plan. Im Norden hätte es noch eine interessante Felsenküste gegeben; mich zog es dann aber doch eher noch einmal an die Pont de Noirmoutier, über die wir vorgestern auf die Insel gekommen waren. Der Blick aus dem Auto und auf das türkisfarbene Meer hatte mich nachhaltig beeindruckt. Das wollte ich mir heute noch einmal aus nächster Nähe ansehen.
Zunächst einmal ging es die selbe Strecke wie gestern nach La Guérinière. Dort bog ich dann allerdings gen Osten auf die Rue du Bonhomme ab und war wenig später weg vom Autoverkehr und den Menschen und stand am Port du Bonhomme. Er ist der wichtigste Austernhafen der Insel in der Region Vendée.
'Schön' sah es hier ja nicht aus, eben eine Austernfarm, etwas weiter draußen im Meer konnte man die jeweiligen Becken erkennen. Nur wenige Meter daneben hat man die Gelegenheit, Austern, Muscheln und zahlreiche andere Meerestiere zu kaufen und/oder zu probieren. Frischer als hier geht wohl kaum.
Obwohl ich sehr gerne eine Auster probiert hätte, war mir jetzt im Moment eher nicht danach. Viele meiner Bekannten hatten von 'ekligen' Erlebnissen erzählt. Ich wollte nicht riskieren, dass es mir danach vielleicht schlecht ging; da war mir der Ausflug doch lieber. Aber vielleicht würde sich ja gen Ende meiner Tour noch eine Gelegenheit ergeben.
Von hier führt schnurgerade ein Fahrradweg auf einem Damm in Richtung Süden. Links das Meer, rechts Felder und Wiesen, stellenweise von Kanälen durchzogen. Die buntesten Vogelarten waren zu sehen. Solche, die es bei uns nicht gibt.
Die Sonne brannte ganz schön herunter, aber die Fahrt war traumhaft. Absolute Ruhe um mich herum. Kaum jemand war zu sehen. Ab und zu kam mir mal ein Fahrradfahrer entgegen.
Natürlich blieb ich das ein oder andere Mal stehen, einfach nur, um die Aussicht zu genießen und ein paar Bilder zu machen. An einem der Punkte lernte ich drei Schotten kennen. Einer von ihnen wollte von mir (für mich) unbedingt ein Foto machen (wenn ich schon allein unterwegs bin), lobte mein Rad und so kamen wir ins Gespräch. Eine nette Truppe.
Wieder etwas mehr los war schließlich an der Weggabelung zur Le Site du Gois. Im ersten Moment hatte ich es gar nicht überrissen. Aber hier stellten sich bereits die Autos für die 'Sensation' des Tages an. Denn die bereits erwähnte Passage du Gois ist eine 4,2 Kilometer lange Straße, die die Insel mit dem Festland verbindet. Allerdings nur bei Ebbe! Die Hälfte des Tages ist die Straße nicht zu sehen, weil überflutet.
Gerade eben war sie das auch. Außer die neun Rettungsinseln, die all jenen, die die Flut übersehen, Zuflucht bietet, sah man nur das Meer. Die nächste Ebbe sollte auch erst in zwei Stunden kommen. Wollen die Leute hier tatsächlich so lange warten? Naja, wenn sie meinen … Ich jedenfalls entschied mich dagegen. Klar, interessant ist das schon, aber ich kenne Ebbe und Flut bereits von der Nordsee. Und bei der Menschenansammlung hier wäre das ganze auch kein allzu großes Natur-Erlebnis geworden.
Ab hier begann dann eine ganz besondere Landschaft. Schroffes Gestein, kahle Flächen, dazwischen gelbe und fliederfarbene Wildblumen, beim Blick ins Inselinnere immer wieder Wasserbecken, kleine Seen. Und dann wieder wilder Strand. Ein fantastisches Bild. Für viele vielleicht zu kahl und zu kalt. Mir gefiel es.
Fast eine Stunde war ich schon unterwegs, als ich schließlich die Südspitze der Insel erreichte. Im Ort verfuhr ich mich erst einmal, was aber gar nicht so schlimm war, denn so kam ich auf die Rue de la Pointe, die mich direkt unter die Brücke führte. Der Blick darauf war von hier aus wirklich toll. Was für ein Monument. Etwas zurückversetzt vom Strand gibt es Parkplätze und Bänke. Ein paar Autos waren zu sehen und auch ein paar Camper hatten es sich hier bequem gemacht. Ob man über Nacht stehen bleiben darf oder nur als Tagesgast, konnte ich nicht entdecken.
Ich spazierte auf die Mole, fuhr einmal unter der Brücke hindurch und suchte schließlich den Weg auf die Brücke. Den sandigen Waldweg lehnte ich ab; da kam ich mit dem Rad gar nicht durch. Also wieder zurück zum Kreisel und hier den Fahrradweg direkt neben der Hauptstraße genommen.
Und von hier oben war es dann noch einmal doppelt so schön. Obwohl ich keine Höhenangst habe, wurde es mir an der höchsten Stelle dann aber doch etwas schummrig. Eigenartig. Aber vielleicht war es auch nur diese Bilderbuch-Aussicht, die mich so geflasht hat. Auf meinen Fotos kann ich es leider nicht so rüber bringen, aber das alles war so unwirklich. Das türkisfarbene bis blaue Meer, die weißen Sandstrände, der kitschige Leuchtturm … hätte auch genauso gut irgendwo auf den Bahamas sein können.
Ich stand echt lange hier und konnte mich gar nicht mehr losreißen. Eigentlich hatte ich geplant, einer Austernfarm auf dem Festland in Fromentine einen Besuch abzustatten. Von der Brücke aus konnte man die riesige Anlage erkennen. Aber dann entschied ich mich doch dagegen. Der Weg war doch noch weiter als gedacht und eigentlich wollte ich mich ja auf die Südspitze der Insel konzentrieren. Das tat ich dann auch, drehte langsam wieder um und fuhr nun auf der Westseite die Rue de l'Estacade entlang, vorbei an La Fosse, La Frandière und Les Onchères, bis ich langsam wieder Barbâtre erreichte.
Ich streifte einen Wasserturm, hübsche Wohnsiedlungen und beschloss kurzerhand, noch einmal zu der Austernfarm von heute Morgen bei La Guérinière zu fahren. Vielleicht hatten sie ja noch geöffnet und vielleicht käme ich doch noch zu meiner Auster.
Gesagt, getan. Fahrrad abgestellt und zum Laden von La Godaille spaziert. Hier lagen Austern in Hülle und Fülle unterschiedlicher Größen bereit. Die Dame zeigte auf die Speisekarten, die in Klarsichtfolie an die Wand geklebt waren. Ich entschied mich für den kleinsten Teller Austern mit 6 Stück inklusive Zitrone, frischem Brot und ein Glas Wein für gerade einmal 12 €. Ein Schnäppchen. Wenige Minuten später wurde es mir an meinem Platz serviert.
Was soll ich sagen? Entgegen aller Erwartungen und Berichte von Bekannten fand ich die Austern wirklich lecker! Sie schmeckten logischerweise sehr salzig, aber mit ein wenig Zitrone war es überhaupt nicht glitschig, wie immer berichtet wurde. Ich fand es super, das hatte sich jetzt mal gelohnt. Sehr, sehr lecker.
Beim Blick an den Nebentisch bereute ich es fast ein wenig, nicht den ganz großen Teller bestellt zu haben. Eine Großfamilie schlemmte Austern, Muscheln, Shrimps, Langusten & Co. Aber für mich allein wäre das zu viel gewesen.
Was mir besonders gut daran gefiel, war die Einfachheit. Eine Austernfarm, die etwas wild aussah, aber wohl so sein muss. Daneben ein Laden, in dem man sich die Meeresfrüchte für zu Hause kaufen kann und eine kleine Terrasse, auf der man eben diese auch gleich verspeisen kann. Serviert werden sie auf einfachen Tellern auf Plastiktablett oder -boxen. Optisch so überhaupt nicht ansprechend. Aber genau das ist es: Was zählt, ist der Geschmack; nicht der 'perfekt' angerichtete Teller mit jed möglichem Chi Chi. Die Preise empfand ich insgesamt sehr günstig. Kein Wunder, dass hier die Leute laufend Halt machen und sich was Gutes gönnen.
So langsam wurde es jetzt aber mal wieder Zeit zur Rückkehr. Ich wollte Anton und die Hunde nicht zu lange allein lassen, schließlich hatten wir auch noch gemeinsame Unternehmungen geplant. Wieder am Platz, berichtete ich voller Begeisterung von meinen heutigen Eindrücken, sprudelte nur so vor mich hin, erzählte von meinem Austernerlebnis und hatte mal wieder ein Gefühl der absoluten Freude. So ein schöner Ausflug.
Seit heute Mittag hatte nun auch die Bar am Campingplatz geöffnet und dort sollte es jetzt hingehen. Einen Eiskaffee für Anton und einen Venice Sprizz für mich bestellt, machten wir es uns auf der Terrasse bequem. Noch war nicht viel los, Mia war trotzdem etwas überfordert, aber mit genügend Schmackos ging es dann doch ganz gut.
Im Anschluss drehten wir eine kleine Runde über den Platz, denn es gab Ecken, die wir noch nicht gesehen hatten, wie z. B. den Bereich der Mobilehomes. Das sahen wir uns nun näher an.
Nach einer Verschnaufpause für die Hunde (die Sonne brannte ziemlich herunter), ging es am Abend noch einmal auf eine größere Runde entlang schön angelegter Wege in den Dünen. Die Landschaft hier war schon echt toll. Übrigens darf man die Wege nicht verlassen! Es wird streng darauf geachtet, die Natur möglichst unbeschadet zu lassen. Und zum Glück hält man sich auch daran.
An unserem letzten Abend hier auf der Insel und unserem letzten Sandaya-Campingplatz während der Reise holten wir uns noch einmal eine Pizza. Es war die gleiche Karte wie auf dem Platz bei Chambord, weshalb die Auswahl nicht schwer fiel. Dass ich ausgerechnet zur 'Prime Time' dort aufschlug, war ein Fehler. Ich wartete rund vierzig Minuten auf unser Essen.
Zum Sonnenuntergang ging es dann wieder alleine, denn Anton und die Hunde waren müde. Also spazierte ich ein wenig am Strand entlang, machte natürlich wieder zahlreiche Bilder und ließ die letzten Tage hier Revue passieren. Was für ein schönes Fleckchen. Ich hatte mich im Vorfeld nicht großartig damit beschäftigt, auch nicht allzu viel erwartet. Doch letzten Endes wurde ich nicht nur positiv überrascht, sondern war absolut geflasht. Ein bisschen Wehmut kam auf; wie immer eben, wenn mir etwas gefällt und ich eigentlich gar nicht (mehr) weg will.
Tag 10: Ab nach Saumur
Passend zu unserer Abreise wurde das Wetter schlechter, zumindest zogen Wolken auf und es war frisch. Somit fiel der Abschied nicht ganz so schwer, auch wenn ich doch ein schlechtes Gewissen hatte, als wir mit den Hunden eine letzten Strandspaziergang unternahmen, sie ein letztes Mal buddelten und sausten … sie wussten ja noch nicht, dass wir gleich weiter fahren würden.
Viel zum Zusammenpacken gab es nicht, das hatten wir gestern Abend schon alles erledigt, nachdem er für die Nacht bereits Regen vorher gesagt hatte. Nur noch schnell das Grauwasser ablassen und dann ging es gegen 11 Uhr auch schon wieder los.
Nun verließen wir die Atlantikküste wieder und fuhren Stück für Stück gen Heimat zurück. Auch wenn es sich kurzzeitig schon wie das Ende der Reise anfühlte; es lagen noch vier Stopps vor uns und wir hatten noch eine Woche vor uns. Ich freute mich riesig. Ein paar Schlösser der Loire standen also noch auf dem Plan.
Knapp zweieinhalb Stunden waren wir von der l'Île-de-Noirmoutier bis nach Saumur unterwegs, vorbei an Nancy und auch an Angers, das wir ja bereits auf dem Hinweg besucht hatten. Heute schien hier die Sonne. Gemein. Oder doch auch irgendwie nicht, denn unser heutiges Ziel Saumur lag um die Ecke und ich freute mich ob des blauen Himmels.
Unterwegs fast nur von Feldern und Wiesen umgeben, erreichten wir plötzlich gefühlt eine Großstadt. Unser Campingplatz Flower Camping L'Île d'Offard lag auf der gleichnamigen Insel direkt gegenüber des Château d'Saumur. Die Insel selbst hatte ich mir eigentlich als reine Naturoase vorgestellt, stattdessen ist sie dicht besiedelt und sozusagen die Vorstadt zu Saumur.
Anton bekam kurzzeitig Schnappatmung. Direkt vor dem Campingplatz befindet sich ein reiner Stellplatz, auf dem die Wohnmobile sehr eng aneinander parkten und auf die Straße blickten. Ich konnte ihn beruhigen; wir hatten aufdem Campingplatz dahinter gebucht; mit ausreichend Platz und Ruhe – so hofften wir es zumindest.
Die Anmeldung erfolgte wie erwartet schnell und reibungslos, kurze Zeit später standen wir auf einem schattigen Platz in der Mitte der Anlage. Eigentlich recht ruhig und angenehm, wären da nicht die Nachbarshunde, die über alle Parzellen jagten und wenig später dann auch auf unserem Platz standen. Zum Glück befanden sich unsere Vierbeiner gerade im Wohnmobil und bekamen nichts davon mit. Hektisch herumlaufende, fremde Hunde, dann noch auf unserem Platz – da ist Ärger vorprogrammiert. Anton kochte, ich malte mir schon stressige Stunden in den nächsten zwei Tagen aus. Dann sprachen wir die französischen Hundehalter an. Viel verstanden sie nicht, das wichtigste aber schon und hielten ihre Hunde künftig auch tatsächlich (größtenteils) bei sich. Ich frage mich halt immer, warum man sich nicht an die Leinenpflicht halten kann, wenn die Hunde nicht hören und man auch kein Auge auf sie hat.
Doch bevor es jetzt wieder an den Aufbau der Möbel ging, sahen wir uns erst einmal am Platz näher um. Ich brauche oftmals ein wenig, um mich an einen neuen Platz zu gewöhnen, so richtig warm wurde ich aber bis zum Schluss nicht. Er war schön, schattig und mit ausreichend großen Plätzen. Vom Pool aus hatte man sogar einen tollen Blick auf das Château de Saumur. Allerdings war er auch ausgebucht und dementsprechend voll. Dieses Wochenende fand der 'Marathon de la Loire' statt, eine weit über die Grenzen von Saumur hinaus bekannte Veranstaltung. Mehrere Wettkämpfe über drei Tage verteilt gab es, die gesamte Stadt wimmelte nur so von Athleten und auch an unserem Platz waren wir wohl die einzigen, die nicht daran teilnahmen.
Die Lage des Campingplatzes war aber wieder einmal hervorragend. Gerade einmal 1,5 Kilometer trennten uns von Saumur. Trotzdem wählte ich das Rad, denn das heutige Ziel war in erster Linie das Château de Saumur; und das war nicht nur weiter weg, sondern auch auf einem Berg.
Keine fünf Minuten gefahren, stieg ich auf der Pont Cessart schon wieder vom Rad ab. Unter mir die Loire, links der Blick auf die Insel d'Offard mit den typisch französischen Häusern, rechts das Schloss mit der darunter liegenden Häuserzeile entlang der Rue de Saumur. Die Wolken und die Silhouette der Stadt spiegelten sich im Fluss. So richtig kitschig eben.
Im Zentrum der Stadt war ich erst einmal ein wenig überfordert. So viele Menschen auf einmal habe ich die gesamte letzte Woche nicht gesehen. Nach ein paar Tagen Natur pur war das jetzt echt wieder eine Umstellung für mich. Am Quai Mayaud war alles für das Event aufgebaut: Start und Ziel, eine große Bühne und zahlreiche Flaggen. Hier kam ich nicht mehr weiter.
Ich zirkelte mich mit dem Rad durch die Menschen entlang der Place de la Bilange, auf der gerade ein Warenmarkt stattfand. Im Gegensatz zu Deutschland darf hier in der Fußgängerzone Rad gefahren werden. Sinn macht das keinen, weshalb ich es dann auch lieber schob.
Ohne Navi war es gar nicht so einfach, den richtigen Weg zum Schloss zu finden, bis ich endlich ein paar Schilder entdeckte und ihnen folgte. Weg vom Strom, durch leere Gassen hindurch. Puh. Durchschnaufen.
Die Anfahrt hatte es ganz schön in sich, trotz E-Bike war die Steigung nicht ohne. Wieder verfuhr ich mich und stand nicht auf, sondern unter der Zugangsbrücke zum Schloss. Ich folgte dem Weg und erreichte den Aufgang zu einem Aussichtspunkt. Von dort oben hatte ich schon mal einen tollen Blick auf die Festung und darüber hinaus auf Saumur und die Loire. Was für ein Bild!
Mit dem Fahrrad endlich die richtige Strecke gefunden, stand ich wenig später dann direkt davor. Hat jetzt ein bisschen gedauert. Auch am Ticketschalter wurde meine Geduld noch einmal stark auf die Probe gestellt. Die Damen ließen sich viel Zeit, sehr viel Zeit, um auch jedem einzelnen immer und immer wieder das gleiche zu erzählen. Dann die Überraschung bei den Gästen: Ach, das muss jetzt bezahlt werden? Wo habe ich doch gleich nochmal das Geld? Man könnte viel effektiver unterwegs sein … Doch irgendwann hielt auch ich endlich mein Ticket in der Hand. Juhuu!
Wer sich die Kosten für die Besichtigung sparen möchte, hat trotzdem was vom Château d'Saumur. Der Außenbereich ist für alle zugänglich und so groß, dass man sich hier schon eine Weile aufhalten kann. Viele Grünflächen laden zum Verweilen ein, man kann einmal um die Festung spazieren, hat von verschiedenen Punkten aus einen schönen Blick auf die Loire und auf Saumur und kann sich im Restaurant verwöhnen lassen.
Das Château d'Saumur hat eine turbulente Geschichte hinter sich. Aufgebaut, abgebrannt, wieder aufgebaut, umgebaut, fast ein Jahrhundert lang unbewohnt, dem Verfall geweiht und schließlich als Gefängnis genutzt, wurde es 1906 von der Stadt Saumur gekauft und wieder restauriert. Die heutige Silhouette verdankt das Château Ludwig II. von Anjou durch den Ausbau im 15. Jahrhundert.
Über eine steile Steintreppe erreicht man den Eingang zum Schloss. Ich hatte wieder einen ausführlichen Besichtigungsplan erhalten und las mich erst einmal in die Geschichte der Burg ein.
Besucht werden können vier Etagen. Nachdem ich mich im Ehrenhof, dem Innenhof des Schlosses mit dem Brunnen und den vier Türmen näher umsah, ging es gleich einmal in das Untergeschoss der Burg. Die Treppe führte ins dunkle Nichts, ich war gespannt. Erwartet hatte mich dort allerdings nur ein Saal, in dem früher Lebensmittel gelagert wurden, weil er so tief unter der Erde das ganze Jahr über konstante Temperaturen hatte.
Wieder im Erdgeschoss, ging es zum Richtersaal, sehr viel mehr war hier nicht zu sehen. Erst im ersten Stock wurde es für mich interessant, denn hier sind die Gemächer von König René zu sehen. Dazu großartige Wandteppiche, aber auch zahlreiches Porzellan und bunte Fliesen.
Tatsächlich hat man das Innere der Burg schnell gesehen. Groß ist sie nicht und einige Räume sind auch komplett leer. Trotzdem war der Einblick hier sehr schön und der Besuch hat mir gut gefallen. Ich verließ das Schloss wieder und spazierte noch einmal drum herum, genoss den Ausblick auf die Loire, die gegenüberliegende Insel L'Ile d'Offard und machte mich nach rund eineinhalb Stunden langsam wieder auf den Weg.
Mit dem Fahrrad ging es zurück in die Stadt. In der Rue Puits Tribouillet, einer ruhigen Seitenstraße, stellte ich es ab; von hier ging es zu Fuß weiter. Dabei sieht man einfach viel mehr und ich musste nicht ständig den Leuten ausweichen.
Der sehenswerte Stadtkern von Saumur ist überschaubar und gut zu Fuß zu erkunden. Er wird dominiert von strahlend weißen Gebäuden, die allesamt dunkelblaue, glitzernde Dächer zieren. Und zwischendurch Türmchen, die aber kein Indiz für ein Schloss, sondern in aller Regel für herrschaftliche Wohnhäuser sind. Dazwischen entdeckt man immer wieder kleine Besonderheiten, wie vergoldete, kleine Täfelchen, oder die von mir so heiß geliebten bunten Türen oder Eisenschilder.
Das Hôtel de Ville, das Rathaus der Stadt, ist ein markantes, historisches Gebäude aus 1864, das sogar noch über einen Wehrturm aus dem 15. und 16. Jahrhundert verfügt, der einst Teil einer Stadtmauer war. Ein Durchgang führt direkt zur Pl. de la Républica, der eigentlich ein Parkplatz ist, heute aber alles für die Veranstaltung aufgebaut war. An der Bühne vorbei konnte man die Rückseite von Le Dôme sehen, das Theater der Stadt.
Wieder zurück und durch enge Gassen hindurch erreichte ich die St. Peters Church, die hier etwas eingepfercht ist. Die Fassade aus dem 17. Jahrhundert ist frisch restauriert, im Inneren erwartet einen eine eindrucksvolle Kirche mit einer Mischung aus Romanik und Anjou-Gotik. Das eigentlich kalte Gemäuer passt hier sehr gut und hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Über die Place Saint Pierre, vorbei an Fachwerkhäusern und witzig dekorierten Häuserfassaden mit bunten Bars und Restaurants ging es entlang der Rue Dacier weiter zur Place de le Bilange mit einem typisch, französischen und klassischen Karussell. Die findet man in Frankreich wirklich fast überall, sind aber auch immer sehr schön anzusehen.
Entlang des Weges bewunderte ich die tollen Häuserfassaden und stand wenig später an der Vorderseite von Le Dôme, dem Kuppeltheater. Es bietet über 400 Sitzplätze, zahlreiche Konferenzräume und eine Panoramaterrasse.
Von hier ging es noch einmal kreuz und quer durch die Stadt, gegen frühen Abend trat ich den Rückweg an. Es waren ja nur zehn Minuten. Nicht lange am Platz, packten wir die Hunde zusammen und liefen nun einmal außerhalb um den Campingplatz, über einen zwar engen, aber schattigen und gemütlichen Weg durch den Wald mit Blick auf Saumur und hier insbesondere auf die markante Kirche Notre-Dame-de-Ardilliers. An der Spitze der Insel hatten wir außerdem einen schönen Blick auf die von Sandbänken durchzogene Loire, ein Ausflugsschiff kam gerade vorbei und auch die alte Eisenbahnbrücke passte hier gut ins Bild.
Die Sandbänke dürfen in den Sommermonaten nicht betreten werden, was wir zwar schade fanden, aus Naturschutzgründen aber verstehen und natürlich auch beachtet haben. Also ging es auf der anderen Seite wieder zurück und noch einmal auf Rundgang durch die Campinganlage.
Den Abend verbrachten wir gemütlich auf unserem Platz, es gab Baguette-Burger, wir quatschten über Gott und die Welt und lauschten der Live-Musik, die von der Bühne des Marathon-Events herüberklang.
Tag 11: Radrundfahrt & Cave Ackerman
Ans Ausschlafen war heute nicht zu denken. Bereits ab 7 Uhr brüllte der Moderator des Marathon-Events ins Mikrophon und feuerte die Athleten an. Die Starts für die verschieden langen Touren erfolgten in Tranchen, zwischendurch kamen auch wieder welche zurück, die immer mit dem gleichen Siegerlied begrüßt wurden. Egal. Gegen 8 Uhr schälte ich mich aus dem Bett, holte die an der Rezeption vorbestellten Brötchen und drehte noch eine Runde über den leeren Platz – waren ja alle am Laufen.
Nach einem kurzen Frühstück ging es auf die übliche Morgenrunde mit dem Hunden. Wir verließen den Platz und spazierten durch die Häuserzeilen auf der l'Île d'Offard. Gut, dass wir schon gestern angereist waren. Die Straße zum Campingplatz war bis 16 Uhr komplett gesperrt und konnte auch auf keinem anderen Wege erreicht werden. Die abreisenden Gäste mussten heute entweder schon um 7 Uhr raus, oder dann eben erst am Abend.
Die Läufer sahen alle schon fix und fertig aus, hatten von hier aus aber auch nur noch gut zwei Kilometer zum Ziel. Auf geht’s, das schafft ihr auch noch!
Eine Weile zugesehen, fand Mia es nach einiger Zeit gar nicht mehr toll. So viele Menschen waren ihr nicht geheuer. Also drehten wir um, liefen durch ruhigere Straßen und kehrten am späten Vormittag zurück.
Es war trocken heute, aber stark bewölkt. Trotzdem schwang ich mich aufs Rad und steuerte erst einmal den rund fünf Kilometer entfernten Ort Villebernier an. So einfach war das gar nicht. Die Straßensperre galt zwar nur für Autos, aber bei den zahlreich entgegenkommenden Läufern will man ja auch nicht einfach so hindurch brausen. Über Seitenstraßen und entlang der Rue de l'Ancienne Gare ging es fast kerzengerade zum Ziel. Viel gab es nicht zu sehen, ein ausgestorbener Ort mit Kirche und Rathaus, dann ging es schon wieder weiter zum Schloss Manoir de Launay.
Laut Google Maps sollte es tagsüber geöffnet sein; ich stand aber vor einem verschlossenen Tor. Ein Schild wies darauf hin, einfach zu klingen. Ich las noch einmal die Rezensionen im Internet und entschied mich letztlich dagegen. Ich hätte Zeit gebraucht; viel Zeit. Denn der Hausherr hat es sich hier zur Aufgabe gemacht, den Leuten das Schloss in allen Einzelheiten zu zeigen und darüber zu berichten. Und das über Stunden. Da ich bei so etwas schlecht nein sagen kann, drehte ich lieber wieder um. Von außen sieht man von diesem Schloss fast nichts, es ist von dichten, hohen Bäumen umgeben.
Der erste Teil meiner Rundfahrt war ja schon mal nicht so ergiebig. Hätte ich mir im großen und ganzen auch sparen können. Aber gut. So sieht man was von der Gegend. Grob zurück nach Saumur, befand ich mich wieder mitten im Marathon, immerhin war eine Seite der Pont Cessart geöffnet. Hier bog ich ab auf die Rue de Saumur und erreichte nach insgesamt knapp acht Kilometern das – wie ich es nenne – Weinviertel der Stadt, da sich hier ein Winzer an den nächsten reiht, allesamt in großartigen, historischen Gebäuden nebst Tuffkellern untergebracht.
Die meisten von ihnen sahen geschlossen aus, ich hatte aber ohnehin nur das Ziel der Caves Ackerman. Davon hatte ich durch Zufall in einer Broschüre gelesen. Sah gut aus und war genau das richtige für mich.
Faszinierend: Steht man vor dem Gebäude, sieht man eigentlich nur den Verkaufsraum und große Tore zu den Hallen. Doch direkt darüber bzw. dahinter erstrecken sich die riesigen Weinberge entlang der Rue du Porteau.
Eingetreten in den mehr als einladend gestalteten Laden holte ich mir das Ticket für den Rundgang durch den Weinkeller (9 €, Stand: Mai 2026). Beim Bezahlen stellten wir fest, dass die junge Französin ein halbes Jahr in München wohnte und sie freute sich sichtlich, mal wieder Deutsch zu sprechen. Also unterhielten wir uns eine Weile, sie erzählte mir alles Wissenswerte zu Ackerman in meiner Muttersprache und verabschiedete mich schließlich mit einem herzlichen 'Servus'. Den das hatte sie als erstes in München gelernt. :-)
Der Rundgang, den man komplett in Eigenregie begehen darf, berichtet über die Entstehung des Crémants und über das Leben des Pioniers der feinen Schaumweine der Loire, Jean-Baptiste Ackerman, der das berühmte Haus 1811 in spektakulären Kellern gegründet hat.
Eigentlich ist der Parcour gerade einmal 500 Meter lang, bietet aber so viel Sehenswertes, dass man sich hier wirklich sehr lange aufhalten kann. Ich war insgesamt über eine Stunde unterwegs. Wichtig: Im Keller sind es konstant 12 Grad, also eine Jacke mitnehmen.
Zu sehen sind die in den Tuff gegrabenen Räume, teilweise bis zu 20 Meter hoch und als Kapelle/Kirche fungierend. Zahlreiche Infotafeln zeigen zum einen alte Zeichnungen, wie es früher einmal ausgesehen hat, berichten aber auch über die Entstehung des Kellergewölbes und den Weg von der Traube bis zum Crémant. Spannend auch der Blick in den Secret Room. Hinter dem Eisentor befinden sich die besten, ältesten und teuersten Flaschen von Ackerman, außerdem werden neue Kreationen immer nur hier im engsten Kreis beschlossen.
Zusätzlich entdeckt man immer wieder fantastische Kunstinstallationen, die sowohl mit Lichtspielen als auch mystischer Musik gut in Szene gesetzt werden. Highlight für mich war der Raum Ecologia Naturotica. Mit blauem Licht, Nägeln und weißen Fäden wird hier ein riesiges Fresko gezeigt, das an Tierbilder auf Steinwänden alter Höhlen erinnert. Unglaublich beeindruckend und im ersten Moment auch absolut unwirklich.
Dieser und generell auch alle anderen Räume, Informationen und Kunstdarstellungen haben mich unglaublich begeistert. Noch nie zuvor hatte ich so etwas fesselndes gesehen. Dass ich den Rundgang komplett alleine zurückgelegt habe und keine anderen Personen traf, machte es noch einmal umso schöner. Auch wenn manche stockdunklen Räume und die musikalische Untermalung etwas spooky waren.
Völlig geflasht erreichte ich den Verkaufsraum und stöberte in der Fülle der Weinflaschen, als auch schon ein Mädchen auf mich zukam und zur persönlichen Weinprobe abholte. Die ist im Preis enthalten, grundsätzlich kann man sich durch gut 15 Weine/Crémants ihres Hauses und angeschlossener Weingüter testen. Ich beschränkte mich in der Tat auf drei Weine, wovon ich zwei dann (natürlich) auch mit nach Hause nahm. Ich kann doch nicht ohne Wein das Haus verlassen …
Whow! Das war jetzt aber ein richtig tolles Erlebnis, davon werde ich noch eine Weile zehren. Absolut zu empfehlen, nicht nur für Weinliebhaber. Auch Kinder werden fasziniert sein, und: Hunde dürfen hier ebenfalls mit rein!
Auf dem Rückweg in die Stadt sah ich mir die Häuser der anderen Weingüter noch einmal näher an. Der ein oder andere von ihnen bietet ebenfalls Touren in ihren Kellern an, meist aber geführt und deutlich teurer.
Über das Musée de la Cavalerie ging es entlang der Loire an der Rte de Saumur zurück zum Campingplatz. So langsam löste sich die Veranstaltung auf. Gegen 16 Uhr kamen die letzten Läufer ins Ziel.
Zurück bei meinen Lieben, erzählte ich kurz von meinen Erlebnissen, danach ging es mit dem Hunden wieder on Tour. Sie hatten ausgiebig geschlafen, waren jetzt wieder fit und wir drehten eine Runde entlang des Quai du Marronnier bis zum Quai du Gaz direkt an der Brücke. Überall wohin wir liefen, trafen wir auf völlig erschöpfte Läufer, aber mit glücklichen Gesichtern und vielen Medaillen. Auch am Campingplatz war noch einiges los, in den Ferienhäusern wurde ausgiebig gefeiert.
Tag 12: Amboise
Heute war großer Aufbruch. Der Campingplatz leerte sich zusehends. Auch wir waren mit dabei und starteten gegen 11 Uhr los.
Noch in Saumur stockten wir unseren Lebensmittelvorrat auf. Auf den nächsten Campingplätzen würde es wenig Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe geben, da nutzten wir gerne noch einmal einen großen Supermarkt.
Insgesamt dauerte die Fahrt von Saumur nach Amboise nur etwa eineinhalb Stunden; der kürzeste Weg während unserer Reise. Gerade noch durch ein größeres Waldgebiet gefahren, ging es quer durch die Stadt. Mit ersten Eindrücken und entlang des Quai du Général de Gaulle direkt auf das Château d'Amboise zufahrend. Und plötzlich konnte ich mich an 2003 erinnern als wäre es gestern gewesen. Genau hier sind wir damals auch entlang gefahren … So ganz waren die Erinnerungen also doch nicht verloren.
Eine einspurige Straße führte uns zum Campingplatz. Entgegen kommen darf jetzt niemand, sonst wird’s problematisch. Wir hatten aber Glück und kurze Zeit später standen wir direkt davor. Auch er lag wieder auf einer Insel inmitten der Loire, der sog. Île d'Or. Deutlich kleiner als die l'Île d'Offard in Saumur und in erster Linie auch eine Erholungs- bzw. Sportinsel. Also angenehm ruhig.
Den Campingplatz Municipal l'Île d'Or hatte ich mir eingebildet. Lange Zeit nicht buchbar, prüfte ich eine Weile fast täglich die Verfügbarkeiten, bis ich im Februar endlich zuschlagen konnte. Die Lage zu Amboise war einfach nicht zu toppen. Letzten Endes hätten wir aber gar nicht vorbuchen müssen – wie eigentlich fast nirgendwo auf dieser Reise. Es gab noch ausreichend Platz, so dass wir den uns zugewiesenen unter dichten Bäumen auch in einen Sonnenplatz umtauschten. So heiß war es hier aktuell nicht, wir wollten Sonne.
Im großen und ganzen ist der Campingplatz einfach nur eine große Wiese. Zwar sind die Stellplätze nummeriert, jedoch nicht abgetrennt, so dass wir anfangs ein wenig überfordert waren: Wie hinstellen? Irgendwie stand jeder anders. Wir wollten den Nachbarn nicht auf die Pelle rücken, selbst aber ebenfalls nicht von ihnen eingepfercht werden. So richtig wusste niemand, wo genau hier eigentlich die Grenzen verlaufen. Egal, wir hatten alle ausreichend Platz.
Der vordere Bereich ist den Wohnmobilen vorbehalten, der mittlere den Wohnwagenfahrern und ganz hinten gibt es ausreichend Platz für Zelte. Einfach, aber trotzdem sehr schön angelegt. Sehr ruhig, sehr angenehm und ein Ort zum Wohlfühlen. Mehr braucht man eigentlich auch nicht. Einzig das Frischwasser direkt am Stellplatz fehlte; generell war das hier in Frankreich aber selten mit dabei.
Noch war es bewölkt über Amboise. Wir verließen den Campingplatz und spazierten erst einmal zur Statue von Leonardo da Vinci, die hier etwas versteckt in einem Park direkt an der Loire unter Bäumen zu finden ist.
Zurück entlang der Gassen der wenig besiedelten l'Île d'Or ging es an weiten Grünflächen zum Sportzentrum mit eigenem Fußballstadion und Tennisplätzen. Die Chapelle Saint Jean ist leider ziemlich baufällig und kann nicht besichtigt werden. Eine tolle Insel, wie gemacht für Spaziergänge mit dem Hund. Weite Flächen, schön und sauber angelegt. Hier war man aber auch jeden Tag mit Rasenmähen beschäftigt.
Wieder zurück, machten es sich die Drei am Camper bequem, ich spazierte stattdessen in die Stadt. Über die Pont du Maréchal Leclerc sind es gerade einmal zehn Minuten. Perfekt.
Entlang der Rue Francois 1er erreichte ich den Place Michel Debré, an dem sich ein Restaurant an das nächste drängt. Alle in hübsch restaurierten, historischen Fachwerkhäusern untergebracht. Linker Seite das Gemäuer des Château d'Amboise, welches ich heute allerdings im wahrsten Sinne des Wortes 'links liegen' ließ und stattdessen den Weg immer weiter geradeaus spazierte. Für das Schloss wollte ich mir morgen ausreichend Zeit nehmen.
An der Ecke der Rue Victor Hugo/Rue du Clos Lucé steht das Château du Clos Lucé, von dem ich ehrlicherweise erst vor ein paar Tagen gelesen hatte. Das alte Wohnhaus nebst Werkstätte von Leonardo da Vinci kann besucht werden und genau das hatte ich jetzt vor.
Bei dem stolzen Eintrittspreis von 20,- € (Stand: Mai 2026) war ich dann doch gespannt, was mich hier alles erwarten würde. Besichtigt werden darf es auf eigene Faust; auch hier bekommt man einen Plan an die Hand, um nichts zu verpassen und nebenbei auch noch etwas über die Geschichte des Hauses zu erfahren.
Tatsächlich war ich schon nach wenigen Minuten begeistert. Ich ließ den Blick über die endlos weite Anlage schweifen. Neben Haupthaus und einer Galerie ist auch der rund sieben Hektar große Park ein kleines Freilichtmuseum. Na, da hatte ich jetzt etwas vor mir.
Leonardo da Vinci hatte ich bisher immer nur mit Italien in Verbindung gebracht. Dass er seine letzten drei Lebensjahre hier in Amboise verbracht hatte und ein enger Freund des Königs Franz I. von Frankreich war, erfuhr ich erst heute. 1516 kam er auf Einladung des Königs … und blieb. Mit im Gepäck hatte er damals unter anderem das Gemälde der Mona Lisa, das sich heute im Louvre befindet. Da soll nochmal jemand sagen, Reisen bildet nicht.
Der Rundgang beginnt mit einem engen Aufstieg in den Wachtturm; er ist letztes Zeugnis aus dem Mittelalter, als Le Clos Lucé noch eine Festung war.
Entlang einer Galerie mit Blick auf den Innenhof erreicht man auch sogleich das Schlafzimmer Leonardo da Vincis mit den für damals üblichen Himmelbetten, einem riesigen Kamin und einer hübschen Holzdecke. Gleich nebenan befindet sich das ehemaliger Zimmer der Margarete von Navarra, die hier ihre Jugend verbracht hatte.
Über eine Treppe gelangt man ins Erdgeschoss mit einer Kapelle, aber vor allem auch mit dem beeindruckenden, großen Renaissance-Saal. In diesem Empfangssaal begrüßte Leonardo da Vinci seine Gäste. Der Raum wurde originalgetreu wieder hergestellt, mit den massiven Holzmöbeln und Steinmauern des 15. Jahrhunderts. Eine Kopie der Mona Lisa ist ebenfalls zu sehen; in Originalgröße. Wer muss da noch in den Louvre?
Drei weitere Räume zeigen die ehemaligen Werkstätten da Vincis. Auch sie sind originalgetreu und sehr lebhaft dargestellt, ganz so, als hätte Leonardo sie erst vor wenigen Stunden verlassen. Ausgestellt sind unter anderem seine handgeschriebenen Hefte, die der Künstler immer bei sich trug, um Ideen festzuhalten. Auch das Arbeitsmaterial und zahlreiche Entwürfe sind zu sehen, wie z.B. der für die Doppelwendeltreppe im Schloss Chambord.
Leonardo da Vinci arbeitete hier bis zu seinem letzten Atemzug an zwei Meisterwerken, die er neben der Mona Lisa ebenfalls aus Italien mitgebracht hatte: Johannes der Täufer und Anne selbdritt. Das letzte Werk blieb unvollendet.
Die Bibliothek mit dem Kuriositätenkabinett zeigt spezielle Fossilien, Herbarien und Gegenstände, die der Künstler einst gesammelt hatte. Auch an Büchern besaß er um die 200 Stück, was für die damalige Zeit sehr selten war.
Im kleinen Studiolo ist man dem Künstler schließlich aufgrund der virtuellen Technologie und einem optischen Theater ganz nah. Es zeigt das historische Treffen von Leonardo da Vinci und Kardinal Luigi d'Aragona 1518, bei dem das Gemälde der Mona Lisa präsentiert wurde. Eine tolle Technologie, die Figuren wirkten erstaunlich echt.
Über da Vincis Küche, die relativ klein war, erreicht man über eine Treppe schließlich die Kellerräume des Schlosses. Hier befinden sich die Modellsäle. In insgesamt vier Räumen sind vierzig Maschinen ausgestellt, die nach den Originalzeichnungen von Leonardo da Vinci rekonstruiert wurden. Kleine Filme berichten über die Funktionalität der Geräte. Und hier, zwischen den Räumen, ist etwas versteckt auch der Geheimgang zu finden, der das Schloss Le Clos Lucé mit dem Schloss Amboise unterirdisch verband.
Mit diesen Räumen endete der Rundgang durch das Haus, der mich unglaublich beeindruckt hat. Vielleicht, weil ich mir im Vorfeld nichts darunter vorstellen konnte, mehr aber, weil man hier wahrlich tief in die Geschichte und das Leben von Leonardo da Vinci – zumindest in seinen letzten Jahren – eintaucht. Äußerst informativ und plastisch dargestellt. Ein Muss für alle, die sich mit dem Künstler schon einmal beschäftigt haben. Aber auch für alle anderen, die gerne ihr Wissen erweitern möchten.
Der Besuch war aber noch lange nicht vorbei, denn jetzt ging es in die ausladende Parkanlage. Von den Modellsälen führt eine Tür direkt in den kleinen Innenhof nebst Schlossgarten. Ich besuchte den Museumsshop und musste lachen, als ich zwischen Büchern, Tassen und Taschen eine Katze entdeckte, die friedlich eingerollt schlief. Vor ihr ein Zettel mit dem Hinweis: Bitte störe mich nicht, wenn ich schlafe.
An hübschen kleinen Tischen kann man es sich hier bequem machen und Kaffee trinken oder einfach nur die Atmosphäre genießen. Ich spazierte eine breite Treppe nach unten und erreichte einen schön angelegten Rosengarten nebst Weinreben und Kräutergärten. So ein richtiger Liebhabergarten.
Leonardos Garten zeigt eine natürliche Bepflanzung mit Wasserfällen, kleinen Holzbrücken und Pavillons. So wie sie sich auf da Vincis Skizzen und Zeichnungen darstellen. Ein künstlicher Nebel erzeugt eine mystische Stimmung über den kleinen See.
Am nordöstlichen Ende des Parks trifft man auf die Galerie. Von außen eher unscheinbar, erwartet einen im Inneren wirklich etwas sehr Beeindruckendes. Neben einem Museum mit weiteren Skizzen und Büchern von da Vincis Arbeiten und plastischen Darstellungen zeigt eine virtuelle Galerie einen immersiven Bilderreigen.
Während eines 14minütigen 'Films' werden sämtliche Meisterwerke von Leonardo da Vinci präsentiert. Doch nicht nur das. Man erfährt auch etwas über die Entstehung dieser Bilder, wie der Künstler diese angegangen ist, welche Techniken er verwendet hat und wie sie letztlich zu dem wurden, was sie heute sind: Wahre Schätze. Durch die Kuppel und die musikalische Untermalung eine hervorragende Darbietung, die mich ebenfalls wieder schwer begeistert hat. Und so viel interessanter ist als ein schnödes Bild-An-Bild-Hängen.
Von hier spazierte ich nun kreuz und quer weiter durch den Park Leonardo da Vinci. Fast wie in einem Freilichtmuseum erlebt man an vereinzelten Stellen die bedeutendsten Erfindungen des Künstlers. Ein lehrreicher Rundgang mit insgesamt sechs Themenbereichen. Dabei sieht man technische Elemente, aber auch großartige Kunstgegenstände.
Was für ein Ausflug. Über zwei Stunden war ich unterwegs und hätte durchaus noch länger ausgehalten. Kleine Cafés bieten Verpflegung an, über den Park verteilt gibt es schöne Sitzgelegenheiten. Ein Schloss, das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Der Eintrittspreis ist hier absolut gerechtfertigt.
Kurz vor Schließung die Anlage verlassen, spazierte ich nun die Rue Victor Hugo zurück. Ebenfalls eine Straße, die mit hübschen Häusern aufwarten kann. Hier und dort wieder ein paar bunte Türen. Oder auch die Perserkatze, die am offenen Fenster im zweiten Stock saß und auf die Touristen hinunter glotzte.
Mit einem Strahlen im Gesicht erreichte ich den Campingplatz, nach einer kurzen Pause brachen wir auf einen gemeinsamen Spaziergang auf. Das Wetter war auch heute wieder besser als vorher gesagt. Die dichten Wolken verzogen sich bereits am Nachmittag und legten blauen Himmel frei. Zeit für ein paar schöne Fotos.
Wir genossen die Runde auf der l'Île d'Or, sahen ein paar Ballone, die nur wenige Kilometer entfernt ihre Tour über die Schlösser der Loire starteten. Eine tolle Idee; würde mir auch gefallen.
Den restlichen Abend bei einem gemütlichen Abendessen verbracht, spazierten wir gegen 22.30 Uhr noch einmal ans Ufer der Loire. Das Château d'Amboise wird nachts schön angeleuchtet; das wollten wir uns ansehen. Und in der Tat strahlte es uns in einem zarten Rosa-Ton entgegen. Traumhaft!
Tag 13: Besuch des Château Royal d'Amboise & Château Gaillard
Unser übliches 'französisches Frühstück' mit Croissants, Pain au chocolat und Baguette holte ich heute Morgen in der Brasserie de l'Île d'Or direkt neben der Rezeption des Campingplatzes. Hier könnte man aber auch direkt frühstücken. Sowohl im Innenbereich als auch draußen auf der Terrasse sah es sehr gemütlich aus.
Nach einer ausgiebigen Gassirunde über die l'Île d'Or widmete ich mich ein wenig dem 'Haushalt', während Anton sich auf den Weg in die Stadt machte. Eine ungewohnte Situation, denn er ist selten allein unterwegs. Ich freute mich für ihn, auch er braucht mal freie Zeit für sich. Kaum mit dem Putzen fertig und in die Sonne gesetzt, war er auch schon wieder zurück. Shopping war erfolgreich.
Ein bisschen gequatscht, ging es dann auch schon wieder für mich los. Heute stand der Besuch von Schloss Amboise auf dem Plan. Einmal über die Brücke, entlang der Rue Francois 1er und schon war ich da.
17,50 € (Stand: Mai 2026) bezahlt, ging es über die Zugangsrampe hoch zur Anlage. Die Besichtigungsführer wurden immer dicker. Die heutige Broschüre war mit Abstand die umfangreichste auf dieser Reise. Da hatte ich ganz schön was zu lesen.
Nun stand ich da. Im insgesamt rund fünf Hektar großen, akkurat und sauber angelegten Areal. Es war kaum etwas los. Die wenigen Besucher verteilten sich gut auf der Anlage.
Das auf einem Felsplateau errichtete Schloss zählt zu den wichtigsten Schlössern im Loiretal. Ursprünglich eine gallische Siedlung, dann eine römische Festung, wurde es im 10. Jahrhundert weiter ausgebaut, doch erst im 15. Jahrhundert wurden die Grünflächen drum herum durch König Karl VIII. beträchtlich vergrößert, nutzte er das Schloss doch als Hauptresidenz. 1495 entstand hier schließlich der erste Renaissance-Garten Frankreichs.
Nachfolgende Herrscher bauten das Schloss immer weiter aus und um, Ende des Mittelalters galt es als die größte Schlossanlage.
Heute ist nur noch ein Bruchteil der damaligen Gebäude zu sehen, genauer gesagt nur noch das zweiflügelige 'Wohnhaus' sowie eine Schlosskapelle, vier Rundtürme und ein paar Kellergeschosse.
Ich spazierte durch den 'Sept Vertus Garten' direkt am Heurtault-Turm. Diese kleine Ruheoase wurde erst vor kurzem komplett neu gestaltet. Die Blumen und Gräser waren noch im Anfangsstadium und Schilder wiesen darauf hin, dass sich dieser Bereich erst im Laufe der Zeit entwickeln müsste. Kleine Bänke inmitten der Anlage laden zum Verweilen ein.
Beeindruckend ist der Ausblick von hier oben auf den Place Michel Debré und dessen Häuserreihe, aber auch darüber hinaus. Plötzlich war alles so klein. Es wirkte, als würde man auf eine Modelleisenbahn blicken. Erst von hier oben sah man, wie schön die Stadt Amboise eigentlich angeordnet ist und wie viele tolle Gebäude sich hier befinden.
Die Hubertuskapelle wurde 1493 erbaut und ist bekannt für die Grabstätte Leonardo da Vincis, der am 02.05.1519 in Amboise verstarb. Doch auch das Eingangsportal sollte man sich mit den filigranen Figuren näher ansehen.
Entlang der Mauer erreichte ich den Garconnet-Turm, von hier aus hatte ich schließlich einen tollen Blick auf die Loire, die Brücke und die l'Île d'Or. Was für ein Panorama! Aber auch das Schloss sah von hier aus schon wieder ganz anders aus.
Ich überquerte den Garten und trat durch die eher unscheinbare Tür in die Wohnstätte ein. Vorbei an Ritterrüstungen gelangt man auf die offene Galerie. Sie ermöglichte die Überwachung der Loire, da man von hier aus einen unglaublichen Ausblick hat.
Vom Pfeilersaal, der sozusagen als Zwischenraum zwischen Ritter und König galt, erreicht man über eine Treppe den Saal der Trommler im ersten Stock. Er erinnert an die Feste, die hier im Schloss gegeben wurden. Das Mobiliar ist nur beispielhaft. Da die Könige damals ihre Möbel für längere Aufenthalte auswärts mit auf Reisen nahmen, ist nicht mehr alles genau vorhanden.
Zur Renaissancezeit erweiterte der König von Frankreich seine Macht und stellte auch gewisse Forderungen, wie z. B. die, dass adelige Herren zusammen mit ihren Ehefrauen mehrere Monate an seiner Seite zu verbringen haben. Damit waren nun auch Frauen am Königlichen Hof vertreten, es folgten großartige Bälle und Vergnügungen, die vor allem hier im Großen Saal abgehalten wurden. Ein imposanter Raum, mit dem vielen Marmor und der gewölbten Decke in jedem Falle einer der schönsten des Schlosses.
Das ehemalige Paradeschlafzimmer des Königs, in dem er seine Gefolgschaft empfing, zeigt heute eine Sammlung von Mobiliar und Gegenständen aus dem Alltag, vor allem mit Tellern und Besteck, wobei die Gabel zum damaligen Zeitpunkt gerade erst entwickelt wurde. Bis dahin wurden nur Löffel und Messer verwendet.
Das Schlafzimmer von König Franz I. und seines Sohnes Heinrich II. zeigt ein blaues Himmelbett, aber auch das aus 1781 stammende Gemälde 'Leonardo da Vincis Tod' von Ménageot. Diese Szene fand so zwar nie statt, soll jedoch die Verbundenheit zwischen dem Künstler und dem König verdeutlichen.
Die direkt daneben liegende Garderobe wurde im 19. Jahrhundert neu gestaltet und beherbergte die Kleider des Königs und der Königin. Ähnlich unspektakulär wie die begehbaren Kleiderschränke der heutigen Zeit.
Im zweiten Stock wird alles etwas farbenfroher und moderner. Es sind die Räumlichkeiten des 19. Jahrhunderts, die vor allem Ludwig-Philipp, der Herzog von Orléans wieder intensiver nutzte, nachdem einige Besitzer vor ihm das Schloss entweder vollkommen vernachlässigt oder nur halbherzig bewohnt hatten. Ludwig-Philipp hatte große Ambitionen. Er erwarb 46 Häuser rund um das Schloss und ließ sie abreißen, um freien Raum für Befestigungsmauern zu schaffen.
Das Arbeitszimmer Orléans-Penthièvre und die Messe Orléans sind mit knallpinken Wänden und Vorhängen ausgestattet, sie zeigen mehrere Porträts der Verwandten von König Ludwig-Philipp I.
Vom Ab-del-Kader-Raum, welcher der Geschichte eines diplomatischen Zwischenfalls zwischen Algerien und Frankreich gewidmet ist, führt eine Tür direkt auf den Minimenturm nach draußen. Hier befindet man sich 40 Meter über der Loire und genießt erneut herrliche Ausblicke. Sowohl auf den Fluss als auch auf die Außenfassade der Wohnstätte sowie die Neapolitanische Terrasse. Zusätzlich entdeckt man den ein oder anderen Wasserspeier, ganz in Form der Fratzen auf der Notre-Dame.
Im Inneren des Turms befindet sich die wendelförmige Rampe, die es einst den Kaisern und Königen nebst Pferden ermöglichte, auf bequeme Art und Weise die Schlossterrassen zu erreichen.
Vom Ausgang des Minimenturms spazierte ich direkt zu den Neapolitanischen Terrassen. Statt durch die ursprünglich bis vor wenigen Jahren hier zu findende Lindenallee ging es nun durch eine fantastische Komposition aus bunten Blumen, Grüngewächs und Lavendel. Ein kleiner, herrschaftlicher Garten zum Dösen und Verweilen. Treppen führen auf eine kleine Erhöhung, die aus unglaublich akkurat geschnittenen Buchsbaum-Bällen besteht. Herrlich! Von hier oben genießt man wohl einen der schönsten Ausblicke auf das Schloss Amboise; ein beliebter Fotospot. Allein schon wegen des extra dafür aufgestellten Bilderrahmens.
Entlang der Landschaftsgärten mit hübschen Alleen, entdeckte ich auch ein paar Weinreben, die schon ziemlich weit waren. Vom Löwen-Tor ging es schließlich über einen gepflasterten Weg wieder Richtung Schloss. Genau von hier eröffnet sich einem noch einmal ein hervorragendes Panorama der gesamten Anlage, wie man es sonst mit diesem Ausmaß, dieser Weite, nicht sieht.
Die orientalischen Gärten daneben waren abgesperrt, sie wurden gerade erneuert bzw. gepflegt. Im unteren Bereich des Parks glänzt die aus weißem Carrara-Marmor bestehende Büste von Leonardo da Vinci entgegen.
Einmal um den Heurtault-Turm herum und einen letzten Blick auf die 'Modelleisenbahn' mit den verwinkelten Gassen geworfen, nahm ich langsam auch schon wieder Abschied vom Château Royal d'Amboise. Was für ein schöner Aufenthalt. Die Anlage ist so wunderschön gestaltet, das Schloss sehenswert und informativ und überhaupt war es mal wieder genau das, was ich mir unter den Loire-Schlössern vorgestellt hatte. Ich wurde nicht enttäuscht.
Wieder auf der Place Michel Debré sah ich mich jetzt im historischen Kern der Stadt näher um und spazierte entlang der Cafés und Restaurants in die Rue Nationale zum Tour de l'Horloge, einem Uhrturm aus dem 13. Jahrhundert; er ist die Verbindung von der Altstadt in die Fußgängerzone.
Hier bummelte ich durch einzelne Läden, kaufte auch eine Kleinigkeit ein, und machte mich wenig später auf den Weg zum Château Gaillard. Denn auch das wollte ich mir gerne noch ansehen. Der Weg war der gleiche wie gestern zum Château du Clos Lucé, von dort ging es die gleichnamige Straße noch einmal rund 400 Meter weiter. Kurz vorm großen Parkplatz für die beiden Schlösser biegt man links ab in die All. du Pont Moulin. Ein sehr unscheinbarer Weg. Vorbei an Wohnhäusern vermutet man hier alles; nur kein Schloss.
Tatsächlich ist das Château Gaillard Domaine Royal erst seit rund zehn Jahren für Besucher geöffnet. Ganze fünf Jahre dauerte die Restaurierung mit über 50 Kunsthandwerkern, um das Paradies von König Karl wieder in neuem Glanz erscheinen zu lassen.
Durch ein schmiedeeisernes Tor hindurch holte ich mir das Ticket in einem kleinen, historischen Häuschen und wurde sehr freundlich von der jungen Dame empfangen. Die 17 € bezahlt, erhielt ich nicht nur einen ausführlichen Plan mit den wichtigsten Punkten der Anlage, sondern noch dazu eine ebenso ausführliche Erklärung. Das Mädchen erzählte mir in allen Einzelheiten vom Schloss, sehr ruhig und bedacht und obwohl sie das bei jedem einzelnen Besucher individuell machte, hatte sie dennoch sichtlich Freude daran und lebt wohl regelrecht für diese Anlage.
Das Château Gaillard war ein wahr gewordener Traum von König Karl VIII, der im 15. Jahrhundert von seinen Feldzügen eine komplett neue Lebensart mit nach Frankreich brachte. Vor den Toren Amboise' schuf er sein ganz eigenes Paradies aus Renaissancegärten und Orangerie sowie einem Herrenhaus, das wie ein italienischer Palazzo wirkte. Insgesamt fasst der Park 15 Hektar; also durchaus ein sehr ansehnliches Anwesen.
Gleich zu Beginn des Rundgangs steht man in einer kleinen Gartenanlage, die aus verschiedenen Beeten mit unterschiedlichem Obst und Gemüse besteht. Ich spazierte entlang eines kleinen Flusses und erreichte eine große Vogelvoliere (ohne Vögel) aus der damaligen Zeit. Über eine Brücke öffnete sich nun der Blick auf den Königlichen Garten, an dessen Ende das imposante Schloss steht. Whow! Was für ein schönes Bild.
Überall stehen große Töpfe mit Zitronen- oder Orangenbäumen, in der Mitte des Gartens befindet sich ein kleiner Brunnen. Ich spazierte die Haupttreppe nach oben und stand in der Königlichen Orangerie, in der verschiedene Dokumentationen über das Schloss zu sehen sind. Tatsächlich ein wenig überladen, ich las mir auch nicht alles durch, sondern genoss lieber den Blick durch die Tür zurück auf den Königlichen Garten.
Der Eingang zum Schloss befindet sich auf der oberen Etage, genauer gesagt an der Aussichtsterrasse, die ich durch eine Treppe rechter Seite erreichte. Von hier oben hat man noch einmal einen besonderen Blick auf den Park. Wer eine Pause einlegen möchte, kann in der Mercogliano Bar zahlreiche Orangenprodukte probieren; allen voran den Orangenkuchen, der für das Schloss hier typisch sein soll. Ich habe ihn nicht getestet.
1496 erbaut, diente es zunächst als königliche Residenz für König Karl VIII., später wurde es Eigentum des Kardinals von Guise. 1558 verbrachte Maria Stuart ihre Flitterwochen hier.
Der Besuch des Schlosses zeigt kunstvoll gearbeitete Erker mit über 8.000 Glasfenstern, mehreren Kaminöfen und zahlreiche interessante Möbelstücke.
Über die Kapelle gelangt man in die Große Halle von Karl VIII. Ein prächtiger Raum mit bunten Möbeln, viel Dekoration und einem den Raum dominierenden, reinweißen Kamin.
Im Louis XII. Salon begeisterten mich die vielen Porträts an den Wänden. Vielleicht auch, weil darunter auch sehr witzige zu finden waren, wie z. B. vom Gestiefelten Kater oder einem Hund.
Tatsächlich wird man in diesem Schloss ein klein wenig von all den Gegenständen erschlagen. Überall steht etwas. Sei es eine alte Vase oder ein aus Obst gestalteter Kopf, der irgendwie kurios wirkte.
Begeistert war ich von den vielen bunten Fenstern, in deren Mitte häufig noch ein Bild zu sehen war; sie spiegeln die Geschichte des Schlosses wider und sind äußerst filigran gearbeitet.
Durch das Treppenhaus erreichte ich den Kardinal Guisa Speisesaal; auch er wieder überladen mit Bildern und Möbelstücken, aber auch einem faszinierenden Boden. Über die Küche ging es nun ein Stockwerk nach oben, zu den Räumen, in denen Maria Stuart ihre Flitterwochen verbracht hatte.
Durch den Innenhof hindurch, ging es kurze Zeit später wieder auf die Terrasse des Schlosses und von hier aus setzte ich meinen Rundgang über die Parkanlage fort. Die Felswand ist rund 20 Meter hoch, im Inneren befindet sich z. B. eine kleine Bäckerei. Über eine Allee ging es schließlich entlang des Flusses L'Amasse wieder zurück zum Ausgangspunkt. Ein wirklich schöner Spaziergang, den man mit Quergängen auf jeden Fall noch ausweiten kann; auch bieten sich einige Sitzgelegenheiten an.
Tatsächlich war ich nun ein klein wenig erschlagen von den vielen Eindrücken, die ich heute mitgenommen hatte. Zuerst das Schloss Amboise, jetzt das Schloss Gaillard und zwischendurch die Altstadt. Heute hatte ich wirklich jede Menge gesehen.
Bevor ich die Anlage verließ, wollte ich mir noch ein paar Kleinigkeiten aus dem Miniladen mitnehmen. Das junge Mädchen von vorhin war sofort wieder zu Stelle und weil sie merkte, dass ich mich für eine der Marmeladen interessierte, bot sie mir doch gleich eine Verkostung an. Also testete ich alle sieben Marmeladen durch, um dann aber doch bei der zu bleiben, die ich als erstes gewählt hatte. Noch ein Orangenbier mitgenommen, verabschiedete ich mich vom Château Gaillard und spazierte nun gemütlich zurück zum Campingplatz.
Dort warteten Anton und die Hunde schon auf mich und gemeinsam drehten wir eine kleine Gassirunde. Eigentlich hatten wir uns ein hübsches Bistro gleich am Ufer der Loire und noch auf der l'île d'Or herausgesucht. Mia allerdings hatte solch eine Panik, als es Richtung Brücke und Stadt ging, dass an eine Einkehr nicht zu denken war. Schade. Also wieder zurück und dann eben in der etwas ruhigeren Brasserie direkt am Platz eine Kleinigkeit gegessen.
Gegen Abend drehte ich mit Benita nochmal eine kleine Runde über den Platz. Es waren einige 2CV (Enten) unterwegs, die sahen wir uns näher an. Auch morgen sollten wir auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel einige dieser Autos treffen. Ganz in der Nähe gab es ein spezielles Event dafür.
Tag 14: Zu unserem letzten Stopp der Reise – Nevers
Amboise war einer der intensivsten Aufenthalte während unserer Loire-Rundreise. Hier gibt es so viel zu sehen, dass man – mit Abstechern in die nähere Umgebung – durchaus auch eine ganze Woche hier verbringen könnte. Mit den vielen Schlössern und historischen Gebäuden taucht man tief in die Geschichte der Stadt und des Loiretals ein und ich benötigte erst einmal ein paar Tage, bis ich alles 'verarbeitet' hatte.
Das Frühstück fiel heute leider etwas mau aus, denn im Gegensatz zu gestern bekam ich heute nur noch ein Baguette. Ich hätte vorbestellen müssen, was ich jedoch nicht wusste. Gestern war dem noch nicht so. Egal. Dann drehten wir eben noch einmal eine ausgiebige Runde mit dem Hunden über die l'Île d'Or.
Zweieinhalb Stunden trennten uns von unserem nächsten Ziel. Die Straßen waren teilweise kilometerlang nur schnurgerade. Links und rechts: Nichts! Dafür sieht man, wer übermorgen zu Besuch kommt. :-)
Über Bourges und kleinere Städte hindurch querten wir zum wiederholten Male die Loire und erreichten schließlich gegen 14.30 Uhr das Only Camp (ehemals Terracamps) de Nevers.
Die letzten fünf Minuten stressten uns ein wenig. Baustellen, rücksichtslose Autofahrer und lautes Getöse. Auch der Campingplatz sah auf den ersten Blick nicht 'so' spannend aus. Hätten wir nicht vorgebucht, wären wir sicherlich daran vorbei gefahren.
Der Check-In war jedoch sehr freundlich. Der junge Mann war zwar etwas überfordert mit dem System, bekam dann aber doch alles soweit hin. Wir hatten den Platz vor einem halben Jahr gebucht, als er noch unter der Leitung der Gruppe Terracamps war. Hier waren die Hunde im Preis enthalten. Erst vor kurzem wurde der Platz von Only Camps übernommen, die nun auch die Hunde bepreisen. Wir mussten jedoch nicht nachzahlen, war ja noch alter Buchungsstand.
Platznummer bekommen und eingefahren, dann die Ernüchterung: Ein Mini-Platz direkt unter Bäumen. Total dunkel und nahe der Einfahrt auch nicht wirklich gemütlich. Wir liefen mit den Hunden über die (sehr kleine) Anlage und entdeckten tolle Plätze mit direktem Blick auf Nevers. So einen wollen wir. Also zurück an die Rezeption und um einen Wechsel gebeten. Klappte auch, allerdings ohne Strom. Wir hatten nicht den richtigen Adapter mit dabei und sie keinen zum Verleih. Egal. Wir können ja auch ein paar Tage autark stehen. Zum Glück hatten wir noch in Amboise Frischwasser aufgefüllt, denn auch das war hier heiß umkämpft an nur einer Zapfstelle.
Der neue Platz ohne Bäume und mit schönem Blick auf die Loire und die Stadt gefiel uns nun deutlich besser. Ansonsten war der Campingplatz 'ok'. Genau genommen ein etwas besserer Stellplatz ohne große Annehmlichkeiten. Es gab ein Waschhaus, aber die Bar hatte z. B. während unseres Aufenthalts gar nicht geöffnet. Die Stellplätze waren relativ klein. Aber für unseren Zweck der Besichtigung der Stadt und für zwei Nächte war das schon in Ordnung; die Lage jedenfalls wieder 1a.
Die Erkundung der Anlage war somit schnell erledigt, also spazierten wir noch ein Stück die Loire entlang, wo die Hunde ihre Pfoten ein wenig ins Wasser halten konnten. Der Kiesstrand sieht optisch gut aus, mit dem wuchernden Unkraut und dem Gebüsch hatten die Vierbeiner allerdings ganz schöne Probleme beim Gehen, weshalb wir auch schnell wieder umdrehten.
Mal wieder den Wetterbericht gecheckt, sagte er für morgen einen reinen Regentag vorher, so dass ich mich wie so oft gleich heute auf den Weg in die Stadt machte. Im Moment war es sonnig mit blauem Himmel, die Wolken zogen aber schon langsam auf. Die Zeit musste genutzt werden.
Einmal aus dem Campingplatz raus und rechts über die Pont de Loire, steht man wenige Minuten später direkt in Nevers. Von der Brücke aus hat man einen tollen Blick auf den Platz und die von Sandbänken durchzogene Loire. Die Kathedrale Saint-Cyr et Sainte-Júliette de Nevers thront prachtvoll über den Häusern der Stadt.
Eigentlich hatte ich mir extra einen Stadtplan von der Rezeption mitgenommen, diesen aber vergessen. Egal. Ich ging einfach drauf los, so in etwa wusste ich, wohin ich wollte und so groß würde die Altstadt schon nicht sein.
Ha – weit gefehlt! Rund zwei Stunden war ich ohne Pause unterwegs und legte einige Kilometer zurück. Ich war überrascht, wie viel Nevers zu bieten hat. Mittelalterliche Kapellen, ein Architekturmix vom 11. bis zum 20. Jahrhundert, prachtvolle Kirchen und hübsche Gassen. Schlicht und einfach 'La Butte' nennt man hier die Altstadt; übersetzt: Der Hügel. Eine Stadt der Künste und Geschichten. Eine Stadt ganz nach meinem Geschmack.
Entlang des Quai des Mariniers, auf dessen gegenüberliegenden Seite der touristische Schriftzug 'Nevers' zu sehen war (scheint immer mehr in Mode zu kommen), bog ich am Tour Goguin rechts ab. Die Ursprünge der Stadt reichen bis ins 4. Jahrhundert zurück; noch heute zu sehen ist die mittelalterliche Stadtmauer mit ihren imposanten Türmen.
Den Spaziergang entlang der Promenade des Remparts kann ich sehr empfehlen. Zwischen Stadtmauer und Grünflächen sehr ruhig im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen der Stadt.
Ein wenig in die Gärten des Musée de la Faience et des Beaux-Arts geguckt und die hübschen Blumen bewundert, steuerte ich durch einen romantischen Rosenbogen direkt auf die Porte du Croux zu. Sie ist eines der eindrucksvollsten Überbleibsel aus dem 14. Jahrhundert und diente als Torturm mit Zugbrücke und Pechnasen. Hier am Rosengarten entdeckte ich einen Maler, der den Turm auf seinem Blatt Papier festhielt. Wie ich später lesen sollte, ein sehr beliebter Treffpunkt für Künstler.
Ein wenig umgesehen und auch das gegenüber stehende Steingebäude betrachtet, ging ich durch das Tor und lief die Esplanade Guy Savoy entlang; ein Straßenzug, der vor einiger Zeit stehen geblieben zu sein schien. Bunte Türen, alte Ladenschilder. S/w-Bildnisse in den Fenstern erinnern an die Fayene-Produktion längst vergangener Zeiten. Heute gibt es nur noch wenige Hersteller der traditionellen Keramikstücke.
Entlang der Rue du Midi wurde es wieder lebhafter in der Stadt, kurz vor der Av. Général de Gaulle brauste ein Auto so eng um die Kurve, dass ich gerade noch auf die Seite springen konnte. In Nevers wurde auffällig rasant und aggressiv gefahren; das hatten wir bisher noch nicht erlebt. Scheinbar etwas gestresste Menschen.
Ein Wegweiser führte mich zur Sanctuaire Sainte Bernadette Soubirous im Norden der Stadt. Das Kloster war einst das Haus der Schwestern der Nächstenliebe von Nevers und wurde 1970 zur Wallfahrtsstätte umgewandelt. Die Ursprünge des Klosters reichen bis ins Mittelalter zurück.
Bernadette Soubirous wurde in Lourdes geboren und gab als 14jähriges Mädchen an, innerhalb eines halben Jahres 18 'Erscheinungen' gehabt zu haben, die wenig später von der katholischen Kirche als Marienerscheinungen gedeutet wurden. Sie ging von ihrem Geburtsort nach Nevers ins Kloster und wurde zur Krankenpflegerin ausgebildet. Aufgrund ihrer Erscheinungen und div. Wunderheilungen wurde sie schließlich als Heilige verehrt. Bernadette starb mit 35 Jahren in Nevers. 1925 wurde aufgrund einer Seligsprechung nach 46 Jahren beschlossen, ihren Leichnam zu exhumieren, dabei stellte man fest, dass bis dahin keine Verwesung stattgefunden hatte. Seitdem befindet sich ihr Leichnam in einem Glasschrein in der Kapelle des ehemaligen Klosters Saint Gildard hier in Nevers.
Für mich war es das erste Mal in meinem Leben, einen toten Menschen zu sehen. Und irgendwie kann ich es bis heute nicht glauben, dass der Leichnam 'echt' ist und sie in der Tat dort in diesem Glaskasten liegt. Nach so vielen Jahren.
In jedem Falle ist die Kapelle ein echter Pilgerort. Allein jetzt waren zahlreiche Gläubige vor Ort und beteten. Ich kam mir fehl am Platze vor, so als Tourist. Dass keine Fotos davon gemacht werden dürfen, versteht sich von selbst.
Trotz dieses eher 'speziellen' Erlebnisses sah ich mich noch eine Weile im Kloster um. Direkt neben der Kapelle befindet sich seit 1884 eine Nachbildung der Grotte aus Lourdes, in der Bernadette ihre Erscheinungen hatte.
Über den Parc Roger Salengo ging es zurück in die Altstadt. Diese Grünfläche dient für Vergnügungen der Einwohner. Ein Pavillon und ein Brunnen laden zum Verweilen ein, zwischendurch entdeckte ich Märchen- und Tierfiguren aus Holz geschnitzt. Eine schöne Oase inmitten des Trubels, wobei sich am Parkrand dann auch schon wieder ein Mini-Freizeitpark mit Karussell und Fahrgeschäften befindet.
An der Place Carnot reihen sich viele historische Gebäude aneinander, Flaggen unterschiedlichster Länder waren zu sehen, sogar die deutsche Flagge wehte im Wind. Ein wenig hier umgesehen, ging es zur Chapelle Sainte-Marie, eine unglaublich tolle Kirche mit einer opulenten, barocken Fassade, die in dieser Gegend einzigartig ist.
Der 53 Meter lange und 11 Meter breite Palais Ducal ist neben der imposanten Kathedrale die zweite Hauptsehenswürdigkeit der Stadt. Mit den drei Treppentürmen ist er ein Meisterwerk der Renaissance, erbaut im 15. Jahrhundert und eines der ältesten Schlösser an der Loire. Der Parkplatz direkt davor macht das Bild etwas kaputt. Doch spaziert man ein wenig in Richtung Loire und blickt zurück, legt sich die Gartenanlage Square de la Républica direkt davor.
Rechter Seite des Palais steht das im Gegensatz dazu eher unscheinbare Théatre Municipal de Nevers, erbaut zwischen 1809 und 1823. Linker Seite die Mairie de Nevers, das Rathaus, über dessen Eingang ein riesiges, gelbes Trikot zu sehen war. Ein Hinweis darauf, dass Nevers in diesem Jahr einer der Startpunkte der Tour de France ist. Na, da wird was los sein in der Stadt.
Der gesamte Kern hier ist ziemlich eng. Die Gebäude stehen nah beieinander, die Straßen sind eng und trotzdem brausten die Autos wieder durch. Vielleicht sollte man mal eine Formel-1-Strecke wie in Monaco daraus machen?
Ich besuchte die Kathedrale Saint-Cyr et Sainte-Julitte de Nevers, die jedoch in großen Teilen gerade eine Baustelle war. Trotzdem faszinierte mich das Innere der Kirche mit den zahlreichen bunten Glasfenstern, insgesamt 130 Stück. Mit 1.052 qm das größte Buntglasprojekt Europas.
Im Zweiten Weltkrieg wurde diese fast 14 Jahrhunderte alte Kathedrale zerstört, 1977 begannen die Restaurierungsarbeiten, die 2011 beendet wurden.
Wieder zurück in Richtung Palais Ducal und hier entlang der Place de la Républica, deren Häuserfassaden mehr als sehenswert sind, hatte ich vom Garten an der Rue de la Parcheminierie einen schönen Blick auf die Loire und darüber hinaus sogar auf den Campingplatz. Ich lief querfeldein kleiner Gassen, die von starken Mauern umgeben waren, über Treppen und Kopfsteinpflaster und erreichte wenig später wieder meinen Ausgangspunkt am Quai des Mariniers mit vielen Bars und Restaurants, in denen aktuell aber nichts los war.
Ein Blick in den Himmel zeigte mir aufziehende, dunkle Wolken. Jetzt nichts wie zurück zum Platz, schließlich wollten wir mit den Hunden noch einen größeren Spaziergang unternehmen. Meine Lieben eingesammelt, ging es nun entlang des Plage de Nevers auf dem Dammweg Richtung Eisenbahnstrecke. Der Blick von hier oben zurück auf die Stadt war einzigartig.
Eine ganze Weile unterwegs gewesen, kamen wir gerade noch rechtzeitig zurück um Platz, als es dann auch schon anfing zu regnen. Das sollte sich für den Rest des Tages auch nicht mehr ändern. Echt schade. Auch für die Franzosen neben uns, die extra zu einer Geburtstagsfeier angereist waren (man glaubt gar nicht, wie viele Autos auf einen so kleinen Platz passen).
Den restlichen Abend verbrachten wir also im Wohnmobil, Anton kochte und dabei fiel dann letztlich auch der Entschluss, einen Tag früher abzureisen. Eigentlich hatten wir zwei Nächte hier gebucht und eigentlich hätte ich gerne noch eine kleine Radtour in der Gegend unternommen. Aber der Wetterbericht sagte Dauerregen vorher, zusätzlich fielen die Temperaturen auf 9 Grad herunter. Wahrlich nicht das beste Urlaubswetter. Warum sollten wir dann also einen Tag nur im Wohnmobil sitzen und frieren?
Tag 15: Fahrt nach Vogtsburg am Kaiserstuhl
Zum Glück gab es heute Morgen eine Regenpause. Die nutzten wir, um mit den Mäusen nochmals eine Runde am Damm entlang zu laufen. Bei 9 Grad und Wind! Hui. Wird's jetzt wieder Winter?
Zum letzten Mal unser 'Standard-Frühstück' an der Rezeption abgeholt (Baguette & Croissants – muss am Tag vorher bestellt werden!) und verspeist, räumten wir alles zusammen und verabschiedeten uns schließlich gegen 11 Uhr von Nevers. Ich war happy, dass der Stadtrundgang gestern noch geklappt hatte und ich auch das Meiste davon gesehen hatte. Somit fiel der Abschied nicht so schwer.
Die knapp fünfstündige Fahrt war geprägt von immer wieder kehrenden Regenschauern, endlos weiten Wiesen und Feldern und der Erkenntnis, dass die Rinder hier wieder dunkler wurden, je näher wir Deutschland kamen. Lustigerweise gab es an der Atlantikküste und im Loiretal ausschließlich weiße Rinder, doch hier wurden sie von mal zu mal brauner.
Entgegen jeder Erwartung erreichten wir unser letztes Ziel Vogtsburg im Kaiserstuhl (Schwarzwald) bei Sonne und blauem Himmel. Wunderbar!
Den Stellplatz beim Weingut Rieflin hatten wir über die Plattform Alpaka Camping gebucht und weil nichts los war, war es auch kein Problem, dass wir diesen einen Tag früher in Anspruch nahmen. Enttäuscht waren wir allerdings ein wenig vom Gastgeber. Letztes Jahr hatten wir hier um die Ecke bei einem anderen Winzer Halt gemacht, der uns freundlich begrüßte und uns auch einiges über die Weinherstellung etc. erzählte. Dieses Mal war niemand zu sehen. Wir klingelten und meldeten uns an. Aber mehr als ein 'Ja, passt, stellt euch einfach hin wo ihr möchtet', vom zweiten Stock herunter schreiend kam nichts. Schade. Eine Weinprobe hätte ich vielleicht gerne gemacht, aber dann eben nicht.
Den Stellplatz fand ich allerdings ganz schön. Anton eher nicht. Okay, gut. 'Eigentlich' ist es nur ein Parkplatz für die Weingut-Besucher. Da wir aber nur zwei Camper waren, gab es viel Freiraum drum herum. Es war sauber und ruhig. Klar – wenn hier ständig jemand ein- und ausparkt, ist das dann sicherlich nicht mehr so angenehm.
Das gute Wetter genutzt, spazierten wir durch den Ort und die angrenzenden Weinberge, die hier tatsächlich direkt hinter den Häusern beginnen. Was für ein schöner Anblick! Das gefiel mir.
Am Ortseingang hatten wir die Winzerklause Bischoffingen gesehen. Vielleicht gäbe es dort ja eine Kleinigkeit zu essen? Einmal quer durch den Ort, hatte sie dann aber bereits geschlossen. Um 18 Uhr ist hier Schicht im Schacht. Ach schade.
Also wieder zurück zum Camper. Wir hatten ja noch unser Baguette und ein bisschen Brotzeit. Das musste für heute reichen. Um die Ecke entdeckten wir einen Kühlschrank des Weingutes Rieflin. Immerhin hier gab es ein paar ihrer Produkte zu kaufen. Ohne Weinprobe vertrauten wir auf die Beschreibung und nahmen uns eine Flasche für 5 € mit.
Gut gespeist, drehte ich am späteren Abend schließlich noch eine kleine Runde mit Benita durch die Weinberge. Die Lichtstimmung war aufgrund der untergehenden Sonne und den vielen Wolken sehr interessant. Ich ließ den Blick über die endlos scheinenden Weinberge schweifen, was für eine tolle Landschaft. Wäre das Wetter besser, hätten wir hier noch eine Nacht verlängert. An schönen Wanderwegen mangelt es hier sicher nicht. Aber auch für morgen wurden keine 10 Grad, dazu Wind und Regen vorher gesagt. Das machte keinen Sinn. Dann lieber nach Hause.
Tag 16: Es geht wieder nach Hause
Ein letztes Mal aufwachen im Camper. Während ich durchaus noch ein oder zwei Wochen durch die Welt hätte tingeln können, freute Anton sich dann doch langsam wieder auf etwas mehr Raum um sich herum. Sicher – so ein Wohnmobil hat einfach eine begrenzte Kapazität und vor allem in den letzten Tagen verbrachten wir aufgrund des Regens doch mehr Zeit als üblich im Auto.
Aufs Frühstück verzichteten wir, packten alles in Ruhe zusammen, wobei das nicht viel war, drehten mit den Hunden eine letzte Runde durch den Ort und machten uns schließlich gegen 10 Uhr auf den Nachhauseweg. Eine lange Strecke lag vor uns.
War das Autofahren in Frankreich die letzten zwei Wochen angenehm und entspannt, holten uns die deutschen Autobahnen schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. In Frankreich waren wir häufig vollkommen allein unterwegs; irgendwie sieht man dort auch wenig LKW's und die Autos halten sich ebenfalls in Grenzen. Doch jetzt im Heimatland waren die Straßen verstopft, die Fahrer aggressiv und so wurden die knapp 500 Kilometer in die Heimat zur reinen Geduldsprobe.
An der Raststätte Leipheim Süd legten wir zwischendurch eine kleine Pause ein und freuten uns, dass es hier Parkplätze nur für Camper gibt. Ausreichend große Plätze, man musste sich nicht irgendwo hinein quetschen. Toll. So etwas hatten wir bisher noch nicht gesehen. Da blieben wir doch gerne noch ein wenig länger; Anton holte uns etwas zu Essen; langsam kam nämlich der Hunger.
Und peu a peu näherten wir uns immer mehr der Heimat, wo wir gegen 16.30 Uhr schließlich ankamen. Wir waren wieder zu Hause. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Traurig, dass diese so lang ersehnte Reise schon wieder hinter uns lag. Aber auch glücklich über die vielen wunderbaren Erlebnisse, Eindrücke und neu entdeckten Regionen.
Fazit
Am Ende einer Reise bin ich jedes Mal dankbar, so viel Schönes gesehen und erlebt zu haben.
Auch wenn wir nur einen Bruchteil der Schlösser an der Loire entdecken konnten; jedes einzelne von ihnen hat mich begeistert und fasziniert. Aber nicht nur sie. Die Städte an sich, die außergewöhnlichen und für mich neuen Eindrücke in den Höhlen von Ackerman und nicht zuletzt die top ausgewählten Campingplätze. Alles zusammen machte die Reise zu einem unvergleichlichen Erlebnis und ich freute mich riesig, dass auch die Hunde ihren Spaß dabei hatten. Von den großen Besichtigungen ausgeklammert, waren sie immer mit dabei und stellten sich das ein oder andere Mal mutig ihren Ängsten.
Jetzt allerdings waren sie sichtlich froh, wieder in ihren eigenen vier Wänden zu sein und die nächsten Tage ihre wohl verdiente Ruhe genießen zu können. Verständlich.
